“Frauen*freundliche” Filmtipps zu Halloween

“Frauen*freundliche” Filmtipps zu Halloween

Mitarbeit an diesem Artikel: Vero Vinitas, Feline

Wenn es ums Gruseln geht, hat die Filmebranche einiges zu bieten. Der Kitzel, der einen bei Licht schlafen lässt, macht riesigen Spaß und ist außerdem ein großartiges Gruppenerlebnis.

Oft genug gruselt es uns aber auch gehörig, wenn wir zum x-ten Mal stereotype Frauenrollen vorgesetzt bekommen, die nicht die Story formen, sondern von ihr geformt werden. Schreiende, hilflose Frauen*, die entweder als Opfer enden, oder sich verstecken müssen, bis sie (vom männlichen* Helden) doch gerettet werden. Manchmal sind sie auch selbst die Monster, dann aber gerne auch nur besessen von einem Dämon oder Geist und eigentlich doch Opfer (wie in Der Exorzist). Oft kommen sie als wirklich relevante Figuren einfach nicht vor. Starke Frauen*, die den Kampf mit dem Bösem selbst aufnehmen und dazu keine Männer* brauchen, sind genau so selten wie vielschichtig dargestellte weibliche Monsterfiguren.

Für all diejenigen, die mal etwas Erfrischung von den stereotypen Mustern brauchen, hat unsere Redaktion ein paar Filmtipps für frauen*freundlichere Horrorstreifen zusammengestellt.

Wer darüber hinaus gerne mehr Horrorfilme schauen möchte, die von Frauen gemacht wurden, wird auf dieser Liste fündig.

 

Carrie (1976)

Die Verfilmung von Stephen Kings Carrie ist ein Klassiker. Carrie ist eine Teenagerin, die nicht nur unter einer fanatisch religiösen Mutter leidet, sondern auch unter extremem Mobbing in der Schule. In Verbindung mit ihren besonderen telekinetischen Fähigkeiten ist das keine Mischung, die gut ausgehen kann. Es ist die Geschichte einer jungen Frau, die sich ihrer selbst und ihrer Macht über andere bewusst wird und aufbegehrt. Ungeschlagen ist auch die Bildsprache, die beispielsweise das gesellschaftliche Tabuthema der Menstruation wunderbar in den Mittelpunkt rückt.

Großartig inszeniert, wenn auch etwas in die Jahre gekommen. Wer es gerne neuer mag: 2013 inszenierte Kimberly Peirce ein Remake mit Chloë Grace Moretz in der Hauptrolle.

 

Evil Dead (2013)

Das Original The Evil Dead wurde bereits 1981 gedreht. Evil Dead (2013) ist jedoch nicht einfach nur ein billiges oder schlechtes Remake, es schafft vielmehr eine weibliche Hauptfigur, die gebeutelt ist von Drogenabhängigkeit und sich jenseits von Horrorfilm-Frauenklischees bewegt. Weder wird sie unreflektiert geopfert, noch erzeugt sie Mitleid. Befolgte man diese klassischen Horrorfilm-Regeln, dann dürfte sie es nicht bis zum Ende des Filmes schaffen. Stattdessen rockt sie diesen blutigen Streifen auf ihre ganz eigene Art und zeigt damit, dass es kein Fehler war, Ash, den starken männlichen Charakter aus dem Original, durch eine Frau zu ersetzen.

 

Cabin in the Woods (2012)

Der Film von Joss Whedon (unter anderem bekannt für Buffy) stellt zu Beginn all jene Charaktere vor, die in keinem Klischee-Horrorfilm fehlen dürfen: die “Jungfrau”, die “Schlampe”, die mit dem athletischen jungen Mann zusammen ist, der clevere “Narr” und so weiter – um diese enervierend eindimensionale Darstellung dann ins Lächerliche zu ziehen und zu dekonstruieren. Der Film ist in vielerlei Hinsicht überraschend, bricht mit Klischees, in dem er sie vorführt und stellt damit den üblichen Sexismus vieler Horrorfilme zur Schau. Er nimmt das ganze Genre sehr gekonnt auf die Schippe, auch wenn man das zu Beginn nicht vermuten würde. Klare Empfehlung für Freund*innen der blutigen Unterhaltung.

 

It follows (2014)

Mit Retro-Flair und 80er-Electro-Soundtrack ist dieser Film keine glattgebügelte Hollywoodproduktion. Besonders positiv ist die angenehm realistische Darstellung der Charaktere. Vor allem die weiblichen Figuren sind allesamt sehr vielschichtig und überhaupt nicht klischeehaft. Da darf frau sich schon mal auf dem Klo sitzend die Fußnägel schneiden. Sie sind stark, machen ihr Ding und tragen den Handlungsbogen selbst (nicht einfach nur Männern zu). Die Hauptfigur hat casual Sex mit wechselnden Partnern, was ihr weder einen negativen Ruf verschafft, noch dazu führt, dass sie – ganz Horrorfilm-Klischee – auf jeden Fall sterben muss. In Sachen Darstellung von Frauen ein sehr erfrischender Film mit wirklich spannender Story.

 

A Girl Walks Home Alone At Night (2014)

Eine Welt, in der die Jungs Cadillacs fahren und die Musik von der Schallplatte kommt. Eine Landschaft, in der sich die Raffinerietürme dunkel gegen den schwarzweißen Himmel heben, und in der die unerklärlich vielen Toten der Stadt zeremonielos in einem Graben an der Autobahn abgeladen werden.  Mitten drin das titelgebende, allein durch die Nacht streifende Mädchen mit Kopftuch, Skateboard und messerscharfen Reißzähnen. Viel klarer wird die Handlung von A Girl Walks Home Alone At Night nicht, aber das muss sie auch gar nicht. Jungregisseurin Ana Lily Amirpour ist voll und ganz gelungen, was sie selbst einen „iranischen Vampir-Spaghetti-Western“ nennt, der sich bedingungslos auf die Seite seiner männermordenden Protagonistin schlägt. Großes Kino für Filmkunstfans.

 

So finster die Nacht/Låt den rätte komma in (2008) 

Ein weiterer Film mit vampirischer Protagonistin ist dieser schwedische Coming-of-Age-Horror von Tomas Alfredson, der auf dem internationalen Markt für den Spionagethriller Tinker, Tailor, Soldier, Spy bekannt geworden ist. Dass die Pubertät bisweilen gruselig sein kann, hebt der Regisseur hier auf ein ganz neues Level: der von seinen Mitschüler*innen gemobbte zwölfjährige Oscar findet unerwartete Unterstützung in dem neuen Nachbarsmädchen Eli. Es entspinnt sich eine zarte Liebesgeschichte zwischen den beiden – und das vor dem Hintergrund der mordenden Streifzüge, die Eli des Nachts durch die Stockholmer Vorstadt unternimmt. Drastische Gewalt und distanzierte, skandinavische Kühle kombiniert dieser Film zu einem einzigartig atmosphärischen Horrormärchen, das neben dem klassischen Vampirklischee auch gleich mit eingefahrenen Geschlechterrollen aufräumt.

 

Ginger Snaps (2000)

Die Pubertät kann ein wahrer Horror sein: Der Körper verändert sich, es sprießen Haare an bestimmten Körperstellen, und frau muss lernen, Blut sehen zu können. Das 15-jährige Grufti-Mädchen Ginger trifft es noch härter: Kaum hat sie ihre erste Periode bekommen, wird sie bei Vollmond von einem Werwolf angefallen. Die Folge: Sie wird aggressiv, ihre Wirbelsäule verlängert sich zu einem Schwanz, sie hat unstillbaren Appetit auf Sex – leider mit blutigem Ausgang für die männlichen Partner. Die Frau = Monster-Analogie ist zwar keineswegs unproblematisch, aber im Zentrum des trashigen Teeniestreifens steht die Beziehung zwischen den unzertrennlichen Schwestern Ginger und Brigitte. Wesentliche Männerrollen: keine. Die Heldin ist die unscheinbare Brigitte, die verzweifelt für die Rettung ihrer Schwester kämpft.

 

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