Themenreihe „Alternative“ Beziehungsmodelle – Teil 1

Themenreihe „Alternative“ Beziehungsmodelle – Teil 1

Was wir sehen, wenn wir den Blick auf den Kosmos von Beziehungsmodellen abseits der Monogamie richten

„Damit Liebe soziale Wirklichkeit wird, muss sie erkennbar und verstehbar sein, zum einen für die Liebenden selbst, zum zweiten aber auch für andere, die mit ihnen interagieren. Sie muss Erwartungshorizonte schaffen, an denen sich Interaktionen orientieren können. Um ein Paar zu sein, muss man als Paar behandelt werden“, schreibt die Soziologin Stephanie Bethmann in ihrer Doktorarbeit „Liebe – Eine soziologische Kritik der Zweisamkeit“.

Diese Artikelreihe soll sich mit „alternativen Beziehungsmodellen“ befassen – also mit allem, was es neben der monogamen Zweierbeziehung noch gibt.
Das Titelbild dieser Artikelreihe ist aus dem Projekt „Not Enough“ der Fotografin Ramona Schacht. Ihre Arbeiten zeigen, wie Menschen ihre Beziehungen handhaben, welche Arten von Beziehungen existieren und wie sie funktionieren.

Eigentlich mag ich den Ausdruck „alternative Beziehungsmodelle“ nicht. Das klingt, als wäre die monogame Beziehung der Standard und alles andere nur eine Alternative dazu. Das mag in unserer Gesellschaft vielleicht auch so wirken, tatsächlich kennen Menschen aber schon immer andere Formen der Liebesbeziehung als die reine Zweierbeziehung. Der Argumentation von Frau Bethmann folgend wird deutlich: Beziehungsmodelle abseits der Monogamie werden als alternativ gesehen, weil monogame Paare als Standard behandelt werden. Massenwirksam reproduzieren vor allem Medien dieses Bild. Obwohl es natürlich Ausnahmen gibt, auch abseits von beispielsweise explizit als queer-positiv deklarierten Produktionen. Sense8 zum Beispiel schiebt die Thematik ganz geschickt am Rande ein. [1]

Wer legt fest, wann Liebe Liebe ist – und in welcher Form?

Um zu Bethmann zurück zu kommen: Sie schreibt über „die Plausibilisierung von Liebe“. Diese fände in sozialen Zusammenhängen statt. Das beste Beispiel hierfür ist der Staat: Dieser macht die Liebe (für sich, strukturell) verständlich – und auch ein Stück weit kontrollierbar [2] – indem die Ehe oder Lebenspartner*innenschaft als solche benannt und festgesetzt wird. Staatliche Anerkennung für die Liebe, sie wird „soziale Wirklichkeit“ durch steuerliche Vorteile und besondere Rechte. Dabei muss die Liebe so klar kommuniziert werden, dass alteingesessene Strukturen sie verstehen.

In Deutschland darf sich beispielsweise nicht polygam oder polyamourös gebunden werden, die gleichgeschlechtliche Lebenspartner*innenschaft ist erst seit 2001 anerkannt. Und der Staat ist nur eine soziale Instanz von vielen, mit denen wir tagtäglich kommunizieren, denen wir tagtäglich unser soziales und Liebesleben darlegen müssen. Liebe „entsteht und behauptet sich“, so Bethmann, in der Beziehung zu/r geliebten Person/en, Freund*innen, Familie, zu sich selbst.

Ständig wird über Liebe gesprochen, zahlreiche Symbole werden nicht nur seit dem Social Media Zeitalter auf unterschiedlichste Weise verwendet. Niemals, oder zumindest sehr selten, sind wirklich nur zwei Personen an der Entstehung von Liebe beteiligt, denn Medien, das soziale Umfeld und nicht zuletzt der Staat mischen sich auf direkte oder indirekte Weise ein. Außerdem prägt unser soziales Netzwerk und die Erfahrungen, die wir machen, auch die Art und Weise, wie wir Liebe verstehen. Viele Menschen und viele Einflüsse. Und trotzdem ist das vorherrschende Bild der Liebe in bürgerlich-konservativen Kreisen nach wie vor: Da gehören nur zwei Menschen zusammen.

Doch tauche ich auch nur die Nase in die Realität von Beziehungsmodellen abseits der monogamen Zweier-Beziehung, tut sich ein ganzer Kosmos auf. Klar, da gibt es die „klassische“ Ehe als entweder religiöse und/oder bürgerliche Einrichtung. Vor kurzem habe ich ein verheiratetes Paar kennen gelernt, was in einer offenen, im Grunde genommen sogar polyamourösen Ehe lebt. Es gibt Paare in Zweierbeziehungen, die ohne irgendeine Art von Zertifikat zusammenleben. Es gibt offene Zweierbeziehungen, in denen die „Kernbeziehung“ neben sexueller Freiheit bewahrt wird. Es gibt Polyamorie mit mehreren Partner*innen, gemeinsame Beziehungen oder mehrere, voneinander unabhängige Beziehungen. Es gibt Freund*innenschaften, in denen Intimität geteilt wird. Es gibt Menschen, die sich als „Sex-Freund*innen“ verstehen – und nur die Körperlichkeit teilen, ohne die emotionale Basis, die Freund*innenschaften auch ausmacht.

„Alternative“ Beziehungsmodelle „verstoßen“ gegen die ungeschriebenen Gesetze der sozialen Erwartung – und damit gegen die „Norm“. Standesgrenzen diktieren die Partner*innenwahl scheinbar nicht mehr (mehr dazu im Folgenden), trotzdem folgen wir in der Liebe oft noch sozial erwünschten Mustern. „Die freie Partnerwahl ist ein Mythos“, sagt Bethmann. Denn Individuen leben mit Wünschen und Bedürfnissen nicht in einem luftleeren Raum – zu oft wird explizit (durch Sanktionen) oder implizit (durch Erwartungen, Streits usw.) in unsere eigentlich intime, private Zone der Beziehungen, Liebe und Sexualität eingedrungen.

„Die Ehe aufgrund von Liebe wurde quasi im 18. Jahrhundert erfunden – Männer und Frauen waren Teil eines Ganzen: Männer aggressive Beschützer, Frauen sittsam und fürsorglich.“ (Netflix-Serie „Explained”, Folge Monogamie). So entstand die Theorie, Liebe erwachse daraus, dass zwei Menschen einander ergänzen. Eine so einfache Rechnung ist die Liebe aber eben nicht. Stephanie Cootnz, Autorin von „Marriage, a History: How Love Conquered Marriage”, sagt dazu in benannter Folge: „Das erste Mal in der Geschichte wollen wir Beziehungen entwickeln, die nicht auf Zwang basieren. Zwang auf Frauen, durch ökonomische und rechtliche Abhängigkeit, Zwang auf Frauen durch ihre Körper. Zwang auf Männer durch sozialen und ökonomischen Status.“

Und warum schreibe ich, Standesgrenzen hätten nur scheinbar keinen Einfluss mehr auf die Partner*innenwahl?

 Ich zitiere noch einmal Stephanie Bethmann: „Obwohl man Liebe nicht verordnen kann, ist sie ganz offensichtlich geordnet: Wie Liebesbeziehungen strukturiert sind und zwischen wem sie gedeihen können, folgt sozialen Ordnungsmustern. So lassen sich Regelmäßigkeiten beschreiben, zum Beispiel in der Stabilisierung von sozioökonomischen (Klassen-)Strukturen (es wird erstaunlich wenig aus sozialen Schichten herausgeheiratet) und heteronormativer Geschlechterordnung (Liebe ist eng mit vergeschlechtlichter, heterosexueller Arbeitsteilung verknüpft). Die auf Liebe gegründete Paarbeziehung trägt daher – „Beziehungswahl“ und „Gleichheitsideal“ hin oder her – zur Reproduktion sozialer Ungleichheiten bei.“

Sprich: Die Ehe als Institution trägt, in der Form, in der sie in unserer Gesellschaft einfach eben oft funktioniert, zur Aufrechterhaltung stereotyper Rollenverteilung sowie Klassenunterschiede (die zweifellos existieren) bei. Weil die Liebe zwischen zwei (sic!) Menschen in unserer Gesellschaft so stark mit Zwängen von außen behaftet ist, dass die Formen, in denen Beziehungen funktionieren und sind, zur Aufrechterhaltung von Heteronormativität beitragen.

Einen weiteren Denkanstoß, der nicht nur in Richtung Klasse sondern auch race [3] geht, liefert @baum_glueck (Twitter). Der im Netz veröffentlichte Artikel „Kein Sex (II): Class/Sex/ Race: Liebe und begehre mich (trotzdem)“ [4] thematisiert die Verwobenheit verschiedener Macht- und Unterdrückungsformen mit Polyamorie „Ich glaube tatsächlich, dass die falschen Leute poly sind.“ schreibt sie*. „Ich glaube, dass poly deshalb eine Konsumhaltung geworden ist, weil es mehrheitlich von der weißen Mittelschicht ausgeübt wird, die vor allem eines kann: konsumieren. […] Poly und Class sind so ein riesiges Thema und ich seh’ es nirgendwo richtig angepackt. Race ebenfalls nichts. […] Welche Hintergründe in Sachen Race, Sex, Class, Ability [5] etc werden verborgen? Der Großteil der RZB („Romantische-Zweier-Beziehung“)-Kritikern geht diesen Themen aus dem Weg, weil sie sonst aufdecken müssten, wie weiß und normativ sie eigentlich sind.“

Meint: Auch in vermeintlich aufgeklärten, alternative Kreisen, in denen bestehende gesellschaftliche Strukturen und Zwänge wie beispielsweise Monogamie oder die Ehe als Institution hinterfragt werden, werden –ismen reproduziert. Da diese Kreise sich selbst aber oft als aufgeklärter verstehen, fällt rassismuskritisches Denken beispielsweise in diesen Beziehungsmodellen manchmal unter den Tisch. Denn auch abseits heteronormativer Beziehungsstrukturen können Unterdrückung und implizite Diskriminierung eine große Rolle spielen.

Beziehungen in ihrer alternativen Form können abseits dessen, was sie individuell bedeuten (die Möglichkeit, für sich selbst individuell zu verstehen, was Liebe ist und sein kann) also vor allem gesellschaftskritisch sein und vielleicht irgendwann einen richtigen Wandel bedeuten. Dass dieser Wandel aber oft wieder von weißer Mittelschicht getragen wird, sollte kritisch betrachtet und hinterfragt werden.

Wieso vor allem die LGTBQI-Community so progressiv ist

Menschen der LGTBQI-Community sind oftmals (aber natürlich ist auch hier Pauschalisierung fehl am Platz) in gewisser Weise freier in der Gestaltung ihrer Beziehungen. Dabei spielen gesellschaftliche Unfreiheit und Diskriminierung eine Rolle: Ist man dieser ausgesetzt, lebt man ohnehin vermeintlich abseits dessen, was als die „gesellschaftliche Norm“ angesehen wird (obwohl das im 21. Jahrhundert hoffentlich irgendwann einmal nicht mehr Realität sein wird) [6]. Zwar sind in einigen Gesellschaften homosexuelle Beziehungen „erlaubt“ – trotzdem heißt das noch lange nicht, dass es der heteronormativen Mehrheitsgesellschaft als tatsächliche, alternative Realität zu eigenen, festen Rollenmustern erscheint. Das zeigt sich beispielsweise in Fragen wie „Wer ist bei euch in der Beziehung eigentlich der Mann und wer die Frau?“, die homosexuelle, schwule Paare oft zu hören bekommen. Der Punkt ist: In LGTBQI-Beziehungen findet sich oft eine Freiheit von den Vorgaben der Mehrheitsgesellschaft, findet sich Mut zu und Offenheit für neue Konzepte.

Doch nicht nur: Menschen, die sich über „Moralvorstellungen“ von monogamen Beziehungen hinwegsetzen, bewegen sich häufig in einem antibürgerlichem, intellektuellen Umfeld und legen auf die eine oder andere Art und Weise keinen Wert auf Konventionen. Denn Moralvorstellungen sind im Grunde Regeln, die eine Gesellschaft entwickelt, um Verhalten außerhalb des Gesetzes zu beeinflussen, so wie Werte und Normen.

Wer diese Regel bricht, wird in einer Gesellschaft mit ihrer*seiner „Andersartigkeit“ konfrontiert. Dazu gehört aber ebenfalls Mut und Selbstbewusstsein sowie Selbstreflektion – wie in jedem Fall, in dem man dem Druck der Allgemeinheit standhalten muss. [7]

Ich zitiere an dieser Stelle noch einmal „Explained“: „Monogamie und Liebe sind nicht das Gleiche. Liebe ist ein Gefühl, Monogamie ist eine Regel.“

Wenn nicht nur die Liebe zwischen zwei oder mehr Menschen eine Rolle spielt – sondern auch Familie mitgedacht wird

Denn Offenheit hinsichtlich der vielfältigen Spielformen der Liebe und Beziehungen betrifft nicht nur die Beziehung zwischen zwei oder mehr erwachsenen Menschen – es geht auch um das Familienbild. Neu gedacht und formuliert werden muss das klassische „Mutter, Vater, Kind“-Bild, bewegt man sich im 21. Jahrhundert und hinterfragt die bestehende Heteronormativität. Nicht nur hinsichtlich Familien mit zwei Müttern* oder zwei Vätern*. Es gibt Poly-Familien, die unter einem Dach leben. Es gibt alleinerziehende Eltern, es gibt Eltern-WGs.

Egal, wie eine Familie zusammen lebt, Fakt ist: Was „normal“ ist und was nicht, wird bereits in frühester Kindheit erlernt. Kinder entwickeln ihre Moralvorstellungen durch soziales Lernen: Indem sie ihr eigenes Umfeld beobachten, nachahmen und sich mit Vorbildern, etwa aus Büchern oder Filmen, identifizieren. Was in den Medien für ein Bild vorherrscht, ist bekannt. Dem entgegensetzen können Familien vor allem, was sie vorleben, wie sie lieben, und wie sie ihren Kindern vermitteln, wie Liebe abseits von heteronormativer Vorstellung funktioniert.

Warum Schubladen langfristig vermutlich nur die Heteronormativität aufrechterhalten

„Natürlich haben die gegenwärtigen Bedeutungen von Liebe eine Geschichte. Und doch, will man einen historischen Wandel beschreiben, besteht die Gefahr, zugunsten der Akzentuierung von Tendenzen („Von Beziehungsvorgabe zu Beziehungswahl…“) ein allzu homogenes Bild von der Liebe der Gegenwart zu zeichnen“, schreibt Bethmann noch. Was ich lese: Eine Einteilung in „monogam“ (heteronormativ) und „nicht monogam“ (alternativ) bringt uns nicht weiter bei der Frage, wie wir die Liebe leben können.

Es genügt nicht, klassische Vorstellungen von Familie und Ehe als überholt zu bewerten, davon abweichende Beziehungsmodelle als modern und progressiv zu sehen. Dabei verfängt man sich wieder in Zuschreibungen und Bezeichnungen, die uns letztendlich die eigentliche Frage nicht beantworten. Dann wird Liebe zu einem Lifestyle, Schubalden machen Szenen auf und bieten Grundlagen für Identifizierungsprozesse (die, versteht mich nicht falsch, sehr hilfreich sein können) – wie wir selbst uns aber wünschen, lieben zu wollen, kann uns kein anderer Mensch, keine Szene der Welt beantworten. Der Hang dazu, Beziehungen und Beziehungsmodelle zu analysieren und zu vergleichen, macht es uns im Endeffekt schwerer, unsere eigenen Beziehungen individuell zu gestalten.

Habe ich Probleme diesbezüglich, spreche ich mit Freund*innen und Therapeut*in darüber, in der Hoffnung, eine Antwort zu bekommen. Doch die Gespräche sind nie so befriedigend, wie ich es gerne hätte: Niemand kann mir die Frage beantworten, ob und wie ich glücklich bin in einer Beziehung. Das kann nur ich selbst. Und in Partner*innenschaften ist es zudem auch noch Verhandlungssache. Manchmal nichts Romantisches, Verklärtes, sondern einfach nur Verhandlung, mit offenen Karten. Ein Spiel, welches, wird es richtig gespielt, oftmals für alle Beteiligten einen Sieg bereithält – aber auch nicht nur, ein weiterer wichtiger Punkt. Denn genau wie in monogamen Beziehungen muss man in alternativen Modellen kompromissbereit sein. Das braucht uns nicht mehr wundern. Get over it. Das ist sogar in Freund*innenschaften so.

 

1 Nur so am Rande, die Sache mit Sense 8 [und das soll keine Werbung sein]: Positiv aufgefallen ist mir die Diversität (Wermutstropfen: Nur normschöne, schlanke Körper, wenn auch trans* Personen und nicht-weiße Menschen repräsentiert sind). Außerdem: Das schwule, mexikanische Paar lebt nach einigen Differenzen und einem schmerzhaften Outing zu dritt mit der früheren „Hetero-Alibi-Freundin“ des einen Partners zusammen, sie bezeichnen sich als Familie und es gibt sexuelle Interaktion. Außerdem: Dadurch, dass die Hauptcharaktere emotional und im Geist miteinander verbunden sind (sie werden als „Cluster“ bezeichnet) und einen gemeinsamen Erlebenshorizont teilen, haben sie oft gemeinsame sexuelle Erlebnisse ohne Eifersucht und ohne explizit definieren zu müssen, was das für die einzelnen Beziehungen bedeutet. Und eine der Charaktere ist verheiratet – hat gleichzeitig aber eine Liebesbeziehung mit einem anderen Charakter aus ihrem Cluster. Was mich daran freut: Das alles wird nie direkt zum Thema gemacht, die Serie muss es sich nicht auf die Fahne schreiben, sondern es wird als gegeben gesehen – und damit zur Norm. Endlich eine Norm, die ich auch gerne als solche bezeichne.

Eine weitere Serie ist „You Me Her“, die Polyamorie thematisiert und sogar Ehe beziehungsweise Kinderwunsch zu dritt. Allerdings wieder der Wermutstropfen: Wenig Diversität in race und Körperformen.

Dritter Tipp (unbedingt schauen!): „Explained“ erklärt in jeder Folge kurz einen bestimmten Sachverhalt. Da gibt es beispielsweise eine Folge zu geschlechtsspezifischem Lohnunterschied („gender pay gap“) – und auch eine Folge zum Thema Monogamie.

Habt ihr Film – oder Serientipps, in denen das Thema „alternativer“ Beziehungsmodelle gut gehandhabt (oder überhaupt gezeigt) wird?

2 Eingetragene Lebenspartnerschaften und Ehen liefern die Möglichkeit, Menschen und ihre Partnerschaften zu überprüfen, Lockmittel bspw.: steuerliche Vorteile.

3 Das englische Wort „race“ meint nicht die biologische „Rasse“, sondern ist eine soziale Kategorie. In dieser werden Menschengruppen „aufgrund (willkürlich) gewählter Merkmale“ (z. B. ihrer Hautfarbe) zusammengefasst. Um auf diese Bedeutung von „race“ hinzuweisen, wird auch in deutschen Texten oft das englische Wort verwendet.

4 siehe Bild unten

5 Ability, dt.: Fähigkeit – bezeichnet Menschen, die körperlich und geistig keine Behinderung haben

6 Anmerkung: Natürlich gilt das nur, wenn die Menschen in einem Land leben, in dem keine institutionelle Verfolgung stattfindet, sprich: Homosexuelle Beziehungen sind in der Gesellschaft „erlaubt“ – ich muss hier leider sehr viel in Anführungszeichen setzen, weil es mir zuwider geht, diese Ausdrücke zu benutzen, sie leider aber immer noch oft die Realität beschreiben.

7 Und natürlich auch eine gewisse Unabhängigkeit, beispielsweise finanzieller Natur. Ich denke beispielsweise an eine*n christliche*n Arbeitgeber*in, auf den*die ich angewiesen bin – und der*die keine vielleicht keine grünen Haare, Gesichtspiercings und drei Partner*innen, die mich wechselseitig von der Arbeit abholen, toleriert. Als gefeierte*r Influencer*in ist das dann vielleicht eher möglich – and so on. Also auch hier muss wiederrum Intersektionen von Race und Class usw. mitgedacht werden.

 

Paula Charlotte Kittelmann lebt und studiert seit 2012 in Leipzig. Seit neun Jahren schreibt und fotografiert sie, wobei sich ihre Fotografie vorrangig auf Menschen in ihrer Umgebung konzentriert und Lichtharmonien einfängt. Ihre Texte beschäftigen sich mit Emotionen, Selbstwahrnehmung & Körperliebe, Feminismus und (elektronischer) Musik.
Das Psychologiestudium hat ihren Blick auf die Welt dahingehend verändert, als dass sie Menschen anders begegnet und andere Dinge wahrnimmt als vielleicht noch vor 3, 4 Jahren. Das schlägt sich dahingehend auch in den Themen nieder, für die sie sich sensibilisiert – wie bspw. Feminismus, Essstörungen bzw. Bodypositivity und Bodylove, Gleichberechtigung und der Umgang von Menschen miteinander.

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