„Hast du eine Muschi?“ – Onlinedating als trans-männliche Person

„Hast du eine Muschi?“ – Onlinedating als trans-männliche Person

(Zu meiner Person: Ich bin Trans-männlich, schwul und wohne in Berlin. Ich treffe mich regelmäßig mit Männern, die ich online kennenlerne, auf Dates und Sexdates (sorry Mom!). Bevor ich als Trans geoutet war, hatte ich schon Tinder und Lovoo-Accounts als weiblich gelesene Person. Jetzt findet man mich als männliche Person auf Grindr, GayRomeo und OKCupid.)

 

Als ich mir zum ersten Mal einen Account auf einer Online-Dating-Plattform angelegt habe, auf dem meine Geschlechtsidentität „männlich“ war, habe ich mich viel gefragt: „Ab wann sollte ich der Person, mit der ich schreibe, erzählen, dass ich Trans bin?“. Jetzt weiß ich: Dann, wenn ich es möchte.
Zu
Beginn hatte ich es nicht in meiner Bio stehen. Ich wartete immer ab, wie das Gespräch online war und versuchte es dann nebenbei zu erwähnen. Das war aber schnell sehr anstrengend. Ich musste mich immer wieder aufs neue outen und wurde immer wieder auf Grund meines Trans-seins abgelehnt. Es war egal, ob es um ein Sexdate oder Kaffeedate ging. Menschen wollten oft nicht mehr mit mir schreiben und sagten Sachen wie „ich stehe nicht auf Frauen“. Schnell machte mich das traurig und ich fühlte mich eklig und unattraktiv. So entschied ich mich, in meiner Bio schon mein Trans-sein zu erwähnen.

Auf Grindr kann man unter „Grindr Tribes“ „Trans“ angeben. Grindr Tribes ist ein Filter, bei dem User sich mit einer Nischengruppe identifizieren können. So kann man schnell und einfach nach seinem Typ wie z.B „Twink“ aber auch „Trans“ suchen. Auf GayRomeo kann man sich unter Sexualitäten zwischen „Gay“, „Bisexual“ und „Trans“ entscheiden. Transidentität hat jedoch nichts mit Sexualität, sondern mit Geschlechtsidentität zu tun.

Ich entschied mich, obwohl diese Filter Transidentität als „Sexualität“ und Dating-Typ verstehen, mich auch so als „Trans“ zu markieren. Jetzt passiert es selten, dass ich mich im Gespräch nochmal outen muss. Es passiert etwas ganz anderes: Viele Männer, die mich anschreiben, schreiben mich explizit nur wegen meiner Transidentität an. Für diese Männer gibt es in der Trans-Community einen Begriff: Chaser. Das sind cis Männer (ja, es sind fast immer Männer), für die Sex mit Trans*-Menschen ein Fetisch ist. Sie fetischisieren meist Transfrauen und Transmänner. „Chaser“ kommt vom Begriff „to chase“, denn sie „jagen“ und „verfolgen“ Transmenschen. Chasers sind nicht Partner*innen von Transmenschen oder Menschen, die die Körper von Transmenschen einfach nur attraktiv finden und sich respektvoll gegenüber Transmenschen verhalten. Und da wird es schwierig, aus Chats und Profilen herauszulesen, ob die Person einfach nur mich und meinen Körper attraktiv findet oder ob sie meine Identität sexualisiert.

Meist erkennt man Chaser an der Sprache, die sie verwenden. Die Nutzung von Wörtern wie „Transsexuelle“ oder „Transvestiten“, wenn eigentlich „Transmenschen/Transpersonen“ gemeint sind, ist ein No-Go. So wie die sofortige Frage nach Geschlechtsteilen oder Transitionsstand. Natürlich muss man hier bedenken, dass auf Datingplatformen wie GayRomeo, Menschen in ihrem Profil ihre „Schwanzlänge“ angeben (können) und das Gespräch sich häufig schnell beziehungsweise sofort um Sex dreht. Dennoch: Sex und Geschlechtsteile sind für einige Transmenschen ein schwieriges Thema. Respektvoll wäre es, meiner Meinung nach, die Person erstmal kurz zu fragen ob es Begriffe gibt, die man nicht nutzen soll oder Körperteile, über die die Person nicht reden möchte.

Mein Tipp an andere Transmenschen: Achtet auf euer Bauchgefühl. Wenn die Person Sprache benutzt, die verletzend ist oder ihr euch nicht wohlfühlt: Brecht es ab! Euer Körper ist attraktiv und sexy! Ihr müsst nicht mit unhöflichen Menschen chatten, denn (believe it or not) es gibt auch coole Cis-Menschen die dich, deinen Körper und deine Identität respektieren!

 

 

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