Weihnachten: Was tun im Notfall?

Weihnachten: Was tun im Notfall?

Warum die Weihnachtsfeiertage nicht für alle besinnlich sind und was bei häuslicher Gewalt getan werden kann

In Film und Fernsehen sieht Weihnachten immer total schön aus. Lorelai Gilmore riecht den ersten Schnee, in New York steht ein riesiger funkelnder Weihnachtsbaum, die Menschen fahren „Driving home for Christmas“ hörend zu ihren Lieben. Und das, was sie dort erwartet, sind schlimmstenfalls hässliche Socken, peinliche Pullis à la Bridget Jones, zu viel Eierpunsch und Gewichtszunahme.

Die Realität kann anders aussehen und das hat Gründe:

  • Die Familie verbringt mehr Zeit als gewöhnlich miteinander, die Menschen haben Urlaub und meistens nichts anderes vor.
  • Verschiedene Generationen treffen aufeinander mit auseinandergehenden Meinungen zur Flüchtlingspolitik, Geschlechtern und Sexualität, Religion, Arbeit etc.
  • Weihnachten ist mit viel Bedeutung aufgeladen: Es sollen besonders schöne Tage werden, an denen familiärer Frieden herrscht, das Essen sehr gut schmeckt und die Stimmung toll ist.
  • Im Vorfeld und an den Weihnachtstagen stecken alle oder einige der Familienangehörigen viel Zeit und Kraft in die Vorbereitungen; es wird geputzt, geschmückt, eingekauft, eingepackt, gekocht. Ggf. wird diese Mühe nicht (ausreichend) anerkannt.
  • (erhöhter) Alkoholkonsum

Zusätzlich zu diesen eher verbreiteten Gründen für ein unentspanntes Fest können (familien-)biografische Aspekte wie Alkoholismus, Drogenmissbrauch oder Depression hinzukommen. Und Gewalt: nicht anerkannte, anerkannte, bewusste oder unbewusste vergangene Gewalterfahrungen als Opfer oder Täter*in innerhalb der Familie. Es kann sein, dass Opfer und Täter*in aufeinandertreffen und so tun (müssen), als sei alles in Ordnung. Weil der Vorfall in der Familie nicht be- oder anerkannt ist oder „um den Weihnachtsfrieden nicht zu gefährden“. Aus dieser Konstellation, aber auch aufgrund der genannten Stressfaktoren, kann es auch zu erneuter häuslicher Gewalt kommen.

Was kann ich tun?

Um Stress beim Familienbesuch zu vermeiden, gibt es grundlegende Tipps:

  • Jedes Familienmitglied sollte darauf achten, Zeit für sich zu haben. Kannst du zum Beispiel mal spazieren gehen, ein Buch lesen, dich zurückziehen, einen Mittagsschlaf halten, Musik mit Kopfhörern hören?
  • Können bestimmte Themen umgangen werden, die immer zu Stress führen? Kannst du dir im Vorfeld eine akzeptierte Antwort überlegen? Für ehrliche, problematische Gespräche hat das Jahr noch genügend andere Tage.
  • Kannst du deinen Aufenthalt bei der Familie zeitlich begrenzen? Arbeit ist oftmals eine akzeptierte Ausrede.
  • Wer kann dir Halt geben, wem geht es vielleicht genauso? Sind es deine Geschwister, kannst du bei ihnen zwischendurch Dampf ablassen? Oder ist es ein*e Freund*in? Ruft euch im Notfall an.

Wenn es zu häuslicher Gewalt kommt, kann im Akutfall immer die Polizei unter der Nummer 110 gerufen werden. Die Polizei kann die*den Täter*in sofort der Wohnung verweisen, vorübergehend in Gewahrsam nehmen und den Kontakt zum Opfer verbieten. Seit 2002 ist im Gewaltschutzgesetz festgelegt, dass das Opfer in der Wohnung bleiben darf – „wer schlägt, muss gehen“, selbst, wenn das Opfer nicht im Mietvertrag steht.

Rund um die Uhr ist auch das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ unter der Nummer 08000 116 016 erreichbar. Die Beratung ist anonym und kostenlos, auch ohne Guthaben auf dem Handy möglich und kann in 17 Sprachen stattfinden. Hier können sich Opfer, Täter*innen, Zeug*innen und Fachkräfte melden. Auf der dazugehörigen Internetseite, die auch in leichter Sprache zugänglich ist, kann Beratung via Email oder Chat erfolgen: https://www.hilfetelefon.de/. Die Seite kann per Klick oben rechts auf „Notausstieg“ verlassen werden, dann öffnet sich die die Google-Startseite. Das Klicken auf „Zurück“ führt nicht zurück auf die Hilfetelefon-Seite, was im Falle einer Entdeckung hilfreich sein kann. Allerdings ist die Seite im Verlauf findbar.

Für Kinder und Jugendliche ist die „Nummer gegen Kummer“ unter 116 111 montags bis samstags von 14:00 bis 20:00 erreichbar. Hier werden Kinder und Jugendliche anonym und kostenlos von Fachkräften oder samstags von geschulten Jugendlichen zu allen Kummer-Themen beraten. Auch eine Emailberatung ist möglich: https://www.nummergegenkummer.de/

Beim Weißen Ring können sich auch nicht-weibliche Opfer täglich von 07:00 bis 22:00 unter der Nummer 116 006 melden. Diese kostenfreie und anonyme Beratung richtet sich an alle Menschen, die mit einer Straftat konfrontiert wurden. Auch hier wird eine Onlineberatung angeboten: https://weisser-ring.de/

 

Häusliche Gewalt ist der Sammelbegriff für physische, psychische, sexuelle und wirtschaftliche Gewalt zwischen Menschen in Paarbeziehungen, gegen die eigenen Kinder und alle anderen, die häuslich zusammenleben. Zu häuslicher Gewalt kommt es in allen sozialen Schichten, in der Stadt und auf dem Land, bei Menschen mit oder ohne Migrationshintergrund und sie kann sich gegen jedes Geschlecht wenden. Bei der Hellziffer (die zur Anzeige gebrachten Taten) richtet sich die Gewalt jedoch großteils gegen Frauen. Laut polizeilicher Kriminalstatistik von 2015 „wurden durch ihre Partner oder Ex-Partner insgesamt 127.457 Personen Opfer von Partnerschaftsgewalt, davon knapp 82 Prozent Frauen“. (Quelle) Die Dunkelziffer ist unbekannt.

Zombiane liebt vermeintlich hässliche Architektur, ungeliebte Stadtteile und Feminismus. Außerdem ist sie Fan von Nerd-Kram wie Buffy, Dr. Who, Akte X, Sailor Moon. Jedes Jahr ist sie auf dem Wacken anzutreffen und manchmal auf Zombie-LARPs.

Im real life ist Zombiane Pädagogin und plant gerade an einer Selbständigkeit herum.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.