„Internalized Misogyny“: Unsere innere Frauenhasserin

„Internalized Misogyny“: Unsere innere Frauenhasserin

*** Triggerwarnung für Body Shaming ***

 

Fangen wir mit einer Art Psychotest an. Jede*r liebt schließlich Psychotests, oder? Also: Gib dir für jeden der folgenden Sätze, dem du (überwiegend) zustimmst, einen Punkt.

Der Test richtet sich in erster Linie an Frauen und Mädchen – warum, erfährt du im Anschluss. Natürlich können ihn trotzdem auch Personen machen, die sich nicht als weiblich identifizieren.

Mit einem (*) gekennzeichnete Fragen kannst du natürlich überspringen, wenn du nicht auf Männer stehst.

 

  1. Der Satz „Du bist nicht so wie die meisten Frauen“ ist ein Kompliment.

 

  1. Frauen, die viel Wert auf ihr Äußeres legen, finde ich total oberflächlich.

 

  1. Die meisten meiner Lieblingsfiguren aus Filmen, Serien oder Büchern sind männlich.

 

  1. Ich mag keine Produkte, die pink oder geblümt sind oder auf andere Weise offensichtlich für eine weibliche Zielgruppe entworfen wurden.

 

  1. Wenn mein Freund mit anderen Frauen eng befreundet wäre, hätte ich ein Problem damit. *

 

  1. Frauen, die Sex mit vielen verschiedenen Menschen haben, müssen sich nicht wundern, wenn man sie „Schlampe“ nennt.

 

  1. Ich verbringe meine Freizeit lieber mit Männern als mit Frauen. Unter Frauen gibt es ständig Zickenkrieg.

 

  1. Wenn mein Freund jemals mit einer anderen Frau fremdgeht, kann die sich auf was gefasst machen. *

 

  1. Mädchen und Frauen, die Nacktbilder von sich verschicken, sollten lernen, sich selbst zu respektieren.

 

  1. Liebesfilme und „Frauenserien“ wie „Sex and The City“ finde ich total affig. Gebt mir lieber einen düsteren Actionfilm!

 

 

Auswertung:

 

Weniger als 5 Punkte: Du scheinst ein überwiegend positives Verhältnis zu anderen Frauen und Weblichkeit insgesamt zu haben. Du siehst andere Frauen nicht automatisch als Konkurrenz an. „Typische“ Frauendinge wie Mode, Liebesfilme und Popmusik lehnst du nicht per se ab, sondern kannst dazu stehen, sie zu mögen.

 

5 oder mehr Punkte: Achtung, du hast offenbar mittel bis stark ausgeprägte „Internalized Misogyny“! Das bedeutet, du hegt unterbewusst negative Vorurteile gegen Weiblichkeit und/oder siehst andere Frauen eher als Gegnerinnen und nicht als Verbündete an. Du wärst lieber „einer der Jungs“ und legst viel Wert auf die Anerkennung von Männern. In diesem Artikel lernst du mehr über das Phänomen und wie es Frauen schaden kann.

 

Internalized Misogyny: Frauenhass, den wir selbst nicht bemerken

Fangen wir mit etwas Positivem an: Es wird besser. Langsam, aber immerhin. Hey, wenigstens haben wir inzwischen ein Wort, um diesen lästigen Aspekt des Sexismus zu beschreiben – das ist ein erster Schritt, ihm zu Leibe zu rücken. Auch wenn es leider noch kein wirkliches deutsches Gegenstück gibt. „Internalized Misogyny“ bedeutet so viel wie „verinnerlichte Frauenfeindlichkeit“. Es geht also um frauenfeindliche Ansichten und Verhaltensweisen, die sich die meisten von uns unterbewusst im Laufe unseres Lebens aneignen und die wir uns erst wieder mühsam abgewöhnen müssen.

Ja, ganz richtig – auch Frauen sind von diesem Phänomen betroffen. Das liegt daran, dass wir bereits ab früher Kindheit lernen, dass Frauen gegenüber Männern eine untergeordnete Rolle spielen. Ein Beispiel: Eine Studie stelle kürzlich fest, dass zwei Drittel der Protagonist*innen in Kindersendungen und -filmen männlich sind. Dazu zählen auch vermenschlichte Tiere, Autos oder Brote, die männlich kodiert sind. Etwa, indem das „weibliche Gegenstück“ mit einer Haarschleife oder einer eleganten Frisur dekoriert wird, während die männliche nichtmenschliche Figur keinerlei Kleidung, Accessoires oder Haare trägt. Männlichkeit als Standard und Weiblichkeit als Abweichung. Vom „Schlumpfinen-Syndrom“ spricht man, wenn in einer Gruppe Figuren nur eine einzige Frau vorkommt – vergleiche z. B. Superheld*innenteams wie im Marvel-Film Avengers (2012). Da Produzent*innen, Regisseur*innen und Autor*innen ebenfalls zum Großteil männlich sind, sind die wenigen Frauenrollen oft auch noch einseitig und stereotyp geschrieben und bieten wenig Identifikationspotenzial. Mal ehrlich, wer wäre lieber Lois Lane als Superman?

 

Zickenterror statt Frauenfreundschaften

Und wenn doch mal mehrere Frauen zur Zeit auf unseren Bildschirmen vorkommen, stehen diese fast immer in einem Konkurrenzverhältnis zueinander. Von Germany’s Next Topmodel bis Der Bachelor – wo man hinschaut, herrscht durch die Medienberichterstattung genüsslich aufgebauschter „Zickenkrieg“. Dabei ist egal, ob es darum geht, wer die Schönste ist, oder darum, einen Mann zu bekommen. Frauen, so die landläufige Meinung, versuchen permanent, sich gegenseitig auszustechen. Und wenn eine mal nett zu dir ist, dann lästert sie garantiert hinter deinem Rücken über dich. Schon Programme, die sich an Teenager richten, schlachten diesen Stereotyp aus. Highschool-Serien wie Gossip Girl sind besessen von der Frage, wer die „Queen Bee“ ist, die über alle Mädchen an der Schule richten darf.

Auch ein Blick in sogenannte Frauenzeitschriften macht einfach nur wütend. Äußert ein weiblicher Promi auch noch so sachlich Kritik an einem anderen, sofort stilisiert die Presse es zu einem „Bitchfight“ hoch. Unvorteilhafte Fotos von weiblichen Celebritys werden wahlweise mit „Presswurst“ oder „Hungerhaken“ bezeichnet. Die Idee dahinter? Frauen sollen sich wohl selbst besser fühlen, indem sie auf andere Frauen hinabblicken. Dabei könnte man doch stattdessen eine positive Botschaft senden: Hey, Promi XY zeigt sich am Strand mit Cellulite oder Hängebauch und beweist, dass berühmte Frauen auch ganz normale Körper haben. Würden wir das nicht viel lieber lesen?

 

Warum „Slut-Shaming“ verlogen ist

Was leider ebenfalls alltäglich ist: Frauen, die einander als „Schlampen“, „Huren“ etc. beschimpfen, auch bekannt als „Slut-Shaming“. Die Begründung dafür ist meist, dass eine Frau mit vielen verschiedenen Menschen schläft oder zumindest mit dem Menschen, mit dem du schlafen willst. Komischerweise kennen wir kein Schimpfwort für einen Mann, der unterschiedliche Sexpartner*innen hat. Solche Menschen bezeichnen wir gewöhnlich als Casanova oder Frauenheld – Begriffe, die positiv besetzt sind. Diese Verlogenheit fällt immer noch vielen Frauen nicht auf. Sie sehen sich selber als moralisch überlegen, wenn sie auf häufig wechselnde Sexpartner*innen verzichten. Aber warum eigentlich? So ein Sexleben macht jemanden doch nicht zu einem schlechten Menschen. Der Wert einer Frau bemisst sich nicht daran, mit wievielen Personen sie geschlafen hat. Es ist Zeit, dass wir uns endgültig vom „Slut-Shaming“ verabschieden!

 

Pink stinkt?

Ja, es ist nervig, dass viele Artikel des täglichen Gebrauchs unnötig gegendert werden. Vom Schulmäppchen bis zum Rasierapparat sagen uns die meist pinke oder schwarze Farbe und die Namensgebung , ob ein Produkt für die weibliche oder männliche Zielgruppe gedacht ist. Die Vorgabe, dass Farben, Spielzeug oder Kleidungsstücke „für Mädchen“ oder „für Jungs“ sind, führt dazu, dass sich insbesondere Jungen stark von allem distanzieren, was als weiblich angesehen wird. Jungen tragen kein pink, keine Röcke und Haarspangen und spielen nicht mit Barbiepuppen. Das wird oft auch von den Eltern gegen den Wunsch des Kindes bestimmt. Sonst könne der Sohn ja ausgelacht oder angefeindet werden, oder man könnte ihnen gar vorwerfen, ihm diese Dinge aufzuzwingen, weil sie lieber eine Tochter hätten. Wollen Mädchen hingegen Jeans oder Baseball-Caps tragen, ihre Haare kurz schneiden oder Fußball spielen, reagieren Eltern und Gesellschaft wesentlich entspannter. Tut dem Kind sicherlich gut, sich früh auf dem Sportplatz Durchsetzungsvermögen anzueignen! Dass Jungs vom gemeinschaftlich-kooperativen Puppenspiel mit anderen auch profitieren können, wird dagegen oft „vergessen“.

Kurzum: Als „männlich“ gesehene Eigenschaften werden bei Mädchen und Frauen eher positiv bewertet, während Jungen und Männer dafür abgestraft werden, wenn sie sich zu sehr für „weibliche“ Dinge interessieren. Insgesamt werden in unserer Gesellschaft Sachen, die Frauen mögen, oft als lächerlich hingestellt. Filme mit weiblicher Zielgruppe nennen wir abfällig „Chick Flicks“ (etwa „Weiberfilme“), aber für „typisch männliche“ Actionfilme gibt es keinen genderspezifischen abwertenden Begriff. Kreischende Teeniemädchen bei Popkonzerten gelten als lächerlich, wenn Männer bei einem Fußballspiel vergleichbar emotional ausrasten, ist das hingegen völlig in Ordnung. Auch Berufe gewinnen an Ansehen, sobald Männer sie für sich entdecken. Zur Anfangszeit des Computers waren vor allem Frauen Programmiererinnen, heute ist die Branche eine Männerdomäne. Dementsprechend werden auch wesentlich höhere Gehälter gezahlt als in „typischen“ Frauenberufen wie z. B. in der Pflege oder Kinderbetreuung. Wenn ein Mann sie ausübt, ist eine Tätigkeit offenbar automatisch mehr wert …

 

Nicht wie andere Mädchen™

Es ist bei diesem gesellschaftlichen Klima wahrlich kein Wunder, dass auch Frauen unterbewusst lernen: Alles, was Männer tun und mögen, ist besser. Die Schlussfolgerung daraus: Hör keine Boybands, lies keine Frauenzeitschriften, spiel lieber Computerspiele (und lass dir dann vorwerfen, du tätest es nur, um Aufmerksamkeit von Männern zu bekommen – dabei sind schon 47% der Frauen Gamerinnen aus Leidenschaft). Glaub mir, Männer werden es lieben, vor dir über „Frauen an sich“ herzuziehen und dir dann zu versichern: „Du bist die Ausnahme, du bist cool™.“ Anders gesagt: Du bist im Grunde so wie ein Mann, deshalb hängen wir gerne mit dir rum, weil du nicht so anstrengend/nervig bist wie andere Frauen, die – pfui – Frauendinge mögen!

 

„Internalized Misogyny“ ist heilbar

Das alles ist kacke, aber es muss nicht kacke bleiben. Das beste Mittel gegen „Internalized Misogyny“: Umgib dich mit tollen Frauen, konsumiere Medien und Kunst von Frauen, lerne über faszinierende Frauen in der Geschichte, denn davon gibt es mehr, als du vielleicht denkst. Gehe mit offenen Augen durch die Welt. Sag was, wenn nächstes Mal jemand in deinem Umfeld das Wort „Schlampe“ benutzt. Beschwer dich, wenn du einen Klatsch-Artikel siehst, der Frauen zu Unrecht als Konkurrentinnen darstellt. Sei nett zu der neuen Klassenkameradin, auch wenn dein Traumtyp ihr schöne Augen macht – oder sie ihm. Verzichte auf die nächste Instagram-Challenge, bei der Frauen sich in Dünnheit überbieten. Schrei dir beim Harry-Styles-Konzert schamlos die Seele aus dem Leib. Schlag vor, dass ihr im Literaturseminar auch mal was von einer Frau lest – und nenn Beispiele. Sei bei der nächsten Gehaltsverhandlung standhaft, weil du weißt, was deine Arbeit wirklich wert ist. Feier dich selbst und die großartigen Frauen und Mädchen in deinem Leben, und mach nie, nie wieder irgendwas nur, um einen Mann zu beeindrucken.

Feline mag schlechte Wortwitze, queerfeministische Medienkritik und Weißwein. Sie freut sich bereits auf ihr späteres Leben als merkwürdige alte Frau mit sehr vielen Katzen.

8 thoughts on “„Internalized Misogyny“: Unsere innere Frauenhasserin

  1. Da stimmt viel von, aber wie immer kann ich diese Texte über dieses Thema nicht ganz unterschreiben. Ich, heute offen lesbisch und wahrscheinlich für einige von euch „quasi schon ein Mann!“, wurde *nicht* bejubelt und beklatscht, wenn ich als Kind oder junge Frau „männliche“ Verhaltensweisen an den Tag gelegt habe. Spätestens, als ich meine erste Freundin hatte, war absolut Schluss mit lustigem „Hosentragenprivileg“, für das Frauen übrigens hart gekämpft haben.

    Ich weiß aus Erfahrung, dass es viele Feministinnen gibt, die mir internalisierte Misogynie unterstellen, weil ich kein Pink und keine Kleider trage und weil ich nicht bereit bin, in jeder Serie sofort eine Frau zu meiner Lieblingsfigur zu erheben. Es ist halt leichter und bequemer und angesagter („Femmephobie“, „masc privilege“), lieber auf eine einzelne Frau zu zeigen statt auf eine Gesamtheit der Männer (die irgendwie auch unter internalisierter Misogynie leiden, weil wenn Frauen Rüschenkleider *mehr* mögen würden, würde …?). Neulich habe ich mal wieder was darüber gelesen, wie ich „Femmes“ und natürlich mich selbst unterdrücke, weil ich kein Make-up trage („remember ladies, make-up is feminist!“).

    Na ja, das sind meine 5 Cent zum Thema. Danke auf jeden Fall für den Artikel

    1. Hallo Robin, danke für deinen Kommentar! Die Frage, ob maskulin kodiertes Verhalten bei Mädchen eher akzeptiert wird als bei Jungen, wurde auch in unserer Redaktion diskutiert und es gibt auf jeden Fall viele Erziehungsberechtigte, die solche Verhaltensweisen leider ebenso stark unterdrücken wie es umgekehrt bei Jungen gemacht wird. Darauf, dass Jungen problemlos Röcke oder Kleider tragen dürfen, warten wir jedenfalls immer noch vergeblich und setzen uns für ein Aufwachsen ohne vorgeschriebene Genderrollen ein.
      Ich persönlich sehe es übrigens auch durchaus kritisch, dass Make-Up momentan zu einer Art feministischen Selbstermächtigungs-Strategie erhoben werden soll. Mir selbst ist es wichtig, dass alle Geschlechter so viel oder wenig Make-Up tragen können, wie sie wollen. Aber es ist sicher nicht das Hauptproblem, dass einige Feminist*innen die Nase rümpfen, wenn sie einen Lippenstift erblicken, sondern eher, dass Frauen in vielen Berufen dazu gezwungen sind, bestimmten Dress- (und Makeup-)Codes zu gehorchen, die von Männern eben nicht eingefordert werden (und auch im Privatleben einem erheblichen Druck dazu unterliegen, der durch Instagram, YouTube und Co. momentan noch extrem verstärkt wird).

      1. Sorry, aber bei mir waren es eben *nicht* die Erziehungsberechtigten. Genauso wie ein Junge Eltern haben kann, die ihn keine Steine in den Weg legen, wenn er Röcke in die Kita tragen will, war es nie ein Problem, dass ich Kleider verweigert habe. Aber Misogynie und Sexismus sind eben systemisch und kommen nicht nur von ein paar schlechten Individuen.
        Mein maskulin kodiertes Verhalten wurde schon als Kind von Erwachsen und ihren Kindern als schmutzig, unweiblich, asozial und gefährlich für andere Kinder bewertet. Dabei ging es auch um ganz andere Dinge als Hosen tragen. Später kam dann schnell „Mannsweib“ und „vom anderen Ufer“. Das war zu großen Teilen auch Homophobie, aber eben *auch* Misogynie. Sexismus betrifft nicht nur „traditionell feminine“ Frauen oder heterosexuelle Frauen! Das, was mir widerfahren ist, ist eben auch Sexismus! Meine daraus entspringende Abneigung gegen Rosa und Rüschen ist *nicht* „internalisierte Misogynie“, ist, was ich sagen will. Auch, wenn ich mich von homophoben Hetero-Frauen abgrenze, ist das nicht sofort „Die hält sich für was Besseres als wir! = Internaliserte Misogynie!“.
        Bei innenAnsicht im Glossar steht „Femmephobie“ quasi als „Sexismus 2.0, überarbeitete Version“, aber gendernonkonforme, „maskuline“ Frauen leiden genauso unter Sexismus. Das, was aussieht wie ein „maskulines Privileg“, ist eben ganz oft keins, sondern das Gegenteil.

        Natürlich setze auch ich mich dafür ein, dass alle Geschlechter selbstbestimmt tragen dürfen, was sie wollen. Aber diese Diskussionen zentrieren *immer* lieber noch Männer und Jungen statt gendernonkonforme, meist bisexuelle und lesbische Frauen sowie Trans-Mensch und insbesondere Trans-Frauen. Dass ich eben *nicht* problemlos Hosen und Hemden tragen durfte, geht dann unter, weil Jungen so wenig Kleider und Röcke tragen dürfen, dass es mir im Gegenzug schon quasi wieder problemfrei „erlaubt“ sein muss. Aber bei Ballspielen ind der Schule als erstes Mädchen ausgewählt zu werden, konstituiert eben noch keine internalisierte Misogynie oder irgendeinen Vorteil und ich wäre auch nicht „befreiter“, wenn ich mich zwingen würde, Rosa anzuziehen und Actionfilme zu sehen oder meine Liebe zur Schminke zu entdecken, auch wenn das vermutlich viele liberale Feministinnen (Disclaimer: Ich meine jetzt explizit nicht dich) und jede Menge Konservative ganz toll finden würden.
        Und ich weiß auch immer noch nicht, was meine internalisierte Misogynie damit zu tun hat, dass auch Jungen unter Geschlechterrollen, Homo- und Transphobie leiden. Ich denke, da vermischt der Artikel vielleicht was.

        Beim Make-up stimme ich größtenteils zu. Zu Partys trage ich auch mal Lippenstift, den ich wische ich aber immer ganz schnell wieder ab, wenn ich gelobt werde, plötzlich „so hübsch feminin“ auszusehen. Das kommt auch gern mal von Feministinnen. Aber so viele depperte Freunde und Freundinnen habe ich eh nicht.

        Entschuldige Rechtschreibfehler, hier habe ich keine Korrektur!

        1. Hallo Robin, ich hoffe, dass es in dem Artikel oder in meinem Kommentar nicht so rüberkommt, als wenn ich die von dir geschilderten Situationen bzgl. männlich kodiertem Verhalten bei Mädchen abwerten oder nicht ernst nehmen würde. Falls dem so ist, tut es mir leid und war nicht meine Absicht. Mir ist definitiv klar, dass es ein Problem ist und ich wollte es nicht mit „Whataboutism“ in Bezug auf Jungen und Kleider vom Tisch wischen. Trotzdem fand ich es wichtig zu erwähnen, dass Misogynie eben eine Rolle spielt, wenn Jungs „typisch weibliche“ Verhaltensweisen untersagt werden, und das ist für mich auch keine Abweichung vom Thema. (Zumal ja auch durchaus von Frauen diese Geschlechterrollen weitergegeben werden, nicht nur von Männern.) Und natürlich kommt dieser Druck, wie du richtig sagst, nicht nur von Erziehungsberechtigten, sondern von der Gesellschaft insgesamt – da habe ich mich nicht sehr präzise ausgedrückt.

          Unser Glossar ist seit Beginn der *innenAnsicht ein Work-in-Progress, da unser kleines ehrenamtliches Team bereits mit der täglichen Redaktions- und Vereinsarbeit alle Hände voll zu tun hat und die Überarbeitung des Glossars daher momentan leider auf die lange Bank geschoben wird. Wir haben definitiv vor, das Glossar zu erweitern und zum Glück wächst unser Team auch gerade, sodass wir hoffentlich bald mehr Zeit hierfür zur Verfügung haben.

          1. Danke für deine Antwort. So ein Glossar repräsentiert natürlich, das ist auf (queer)feministischen Seiten immer die erste, die ich besuche und nach der ich entscheide, ob sich für mich das Weiterlesen überhaupt lohnt. I’m staying tuned!

  2. Ich kann Robins Kritik nur zustimmen. Die Behauptung, dass als männlich gesehenes Verhalten bei Mädchen eher positiv bewertet wird, stimmt halt einfach nicht. Eine Studie von Dr. Roberts von der Uni Harvard hat zB gezeigt, dass „gender nonconforming“ Mädchen öfter Opfer von Mobbing werden und sowohl als Kinder als auch Erwachsene deshalb häufiger Depressionen haben (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3635805/). Auf Frauen mag es vielleicht zutreffen, dass Dominanz und Selbstbewusstsein, also männlich gelesene Eigenschaften, zB in der Arbeitswelt belohnt werden, aber selbst da müssen Frauen konventionell attraktiv sein und zB Make-Up tragen – rund die Hälfte aller Chefs haben zB in einer britischen Studie angegeben, dass sie eine Frau, die kein Make-Up trägt, wahrscheinlich nicht einstellen würden (http://www.telegraph.co.uk/women/10385501/Bosses-admit-they-would-discriminate-against-women-not-wearing-makeup.html). Und Dr. Vivian Namaste, die das Simone de Beauvoir Institut an der Concordia University leitet, hat eine Studie veröffentlicht, laut der Butches und andere gender-nonconforming Frauen besonders häufig Opfer von Gewalt im öffentlichen Raum werden (https://sci-hub.bz/http://journals.sagepub.com/doi/pdf/10.1068/d140221).

    1. Hallo Claire, ich kann nachvollziehen, dass meine Formulierung in dem Artikel evtl. missverständlich war. Allerdings habe ich nicht geschrieben, dass männlich kodiertes Verhalten bei Mädchen generell unterstützt wird, sondern lediglich, dass es oft entspannter gesehen wird als umgekehrt weiblich kodiertes Verhalten bei Jungen – was auch immer extrem auf das jeweilige soziale Umfeld ankommt. Sicherlich hat mich dabei auch mein eigenes Aufwachsen in einem relativ liberalen Umfeld beeinflusst, wo es mir als kleines Mädchen glücklicherweise gestattet war, den Spitznamen „Kurt“ zu tragen, kurze Haare zu haben und in Latzhosen herumzutoben. Und mir ist vollkommen klar, dass nicht jede*r dieses Privileg hat, deswegen habe ich den Satz auch bewusst vorsichtig formuliert. Aber es lässt sich auch nicht immer vermeiden, dass die persönlichen Erfahrungen der*des Autor*in einen Artikel färben. Trotzdem bin ich natürlich sehr dankbar über Kritik, denn nur so kann man lernen, sich in Zukunft weniger missverständlich auszudrücken. 🙂

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