Elektronische Musik: geschlechtsloser Sound? – Teil 4: Netzwerke

Elektronische Musik: geschlechtsloser Sound? – Teil 4: Netzwerke

Von elektronischer Musik erwartet man Experimentierfreude, eine gewisse Aufgeschlossenheit. Aber nach wie vor herrscht in der elektronischen Musik- und Clubszene ein extremes Missverhältnis zwischen den Geschlechtern.

Netzwerke und Nachwuchsförderung

Um die gesellschaftlich geprägten Rollenbilder im Clubkontext aufbrechen zu können, ist es wichtig, Frauen den Zugang zu erleichtern. Das kann durch niedrigschwellige Angebote wie kostenlose Workshops und die Unterstützung durch ein Netzwerk erreicht werden.

Nachwuchsförderung hält Jenny Sharp für die richtige Herangehensweise: „Ich find‘s natürlich trotzdem wichtig, dass Clubs weiblichen Nachwuchs fördern und darauf Wert legen. Genau da fängt‘s nämlich an. Als ich jünger war, hätte ich mir natürlich gewünscht, dass es etwas für Mädels in meinem Alter gibt. Doch solche Wünsche werden total schnell erstickt, weil es an Angeboten fehlt. Und in dem Sinne denke ich, dass ein Förderprogramm wichtig ist.“

Ein Beispiel für ein solches Förderprogramm ist das Girlz-Edit Kollektiv : Die Crew hat mit dem Frauen-DJ-Proberaum im Conne Island in Leipzig einen Freiraum geschaffen, der Mädchen und Frauen den Zugang und die nötigen Kontakte ermöglichen soll. Und nicht nur das: Es wird ein geschützter Raum geschaffen, in dem Frauen frei von eventueller Diskriminierung oder gegebenenfalls positivem Sexismus die Technik kennenlernen und proben können.

„Ich glaube, dass solche Institutionen wie der Proberaum im Conne Island eine gute Sache sind, weil man darüber natürlich schnell mit Gleichgesinnten in Kontakt kommt“, meint auch Tina, „Man hat gleich eine Gruppe im Hintergrund, die Feedback geben können und die einen pushen können. Und aus meiner Wahrnehmung heraus ist der Girlzs-Edit zum Beispiel über die letzten Jahre echt angewachsen, es kommen auch immer wieder neue Frauen dazu. Man darf sich natürlich nicht zu sehr darauf verlassen, „Ach das Island oder Institution XY macht das schon“, sondern man sollte als Club schon daran interessiert sein, Nachwuchs zu fördern. Der Vorteil ist ganz eindeutig, dass man einen größeren Pool an weiblichen DJs hat, die man buchen kann – und dann ist es eben cool zu sehen, dass Frauen aus ganz unterschiedlichen Genres aktiv sind: Denn das macht ja wiederum Vielfalt aus.“

 

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Tina ist als Bookerin in der Distillery zuständig für die Freitagsveranstaltungen. Außerdem ist die Teil des Labels „Defrostatica“ und hat ihre eigene Radiosendung, Sunday Groove, auf Radio Blau.

Jenny Sharp hat seit 2014 ihre eigene Webradiosendung „Sharp Radio „. Seit 2015 spielt sie auch live in den Genres Hip Hop | Beats | Electronica | Rap | Footwork | Future Beats | Downtempo | House | Breaks.

Jennifer Touch ist Producerin und Vocalist, ihre Platten hat sie unter anderem bei Lunatic und Riotvan released.

Das Girlz-Edit-Kollektiv ist ein Frauen-DJ-Kollektiv in Leipzig. Sie organisieren Partys, DJ-Workshops und  den Proberaum im Conne Island, um weibliche DJs zu unterstützen und zu bestärken. Das Kollektiv arbeitet eng mit Feat. Fem* zusammen. Featuring Females* in Leipzig möchte nicht nur kritisieren, sondern nachhaltig empowern und aufklären. Ziel ist es, das Selbstbewusstsein von Frauen in der Clubkultur zu stärken, egal in welcher Position. Das geht über das DJing hinaus, das Augenmerk richtet sich auch auf Berufe wie Stage-Manager und Booker. Mit Workshops und Diskussionsrunden soll nachhaltig für das Thema sensibilisiert werden.

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