Elektronische Musik: geschlechtsloser Sound? – Teil 2: Frauen und Technik

Elektronische Musik: geschlechtsloser Sound? – Teil 2: Frauen und Technik

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Teil 1

 

Von elektronischer Musik erwartet man Experimentierfreude, eine gewisse Aufgeschlossenheit. Aber nach wie vor herrscht in der elektronischen Musik- und Clubszene ein extremes Missverhältnis zwischen den Geschlechtern.

Frauen und Technik

Ein weiteres Problem ist das sich hartnäckig haltende Stereotyp, Frauen könnten nicht mit Technik umgehen. In einem technikaffinen Genre wie der elektronischen Musik ist das äußerst hinderlich.

„Ich glaube eher, dass die Boys sich tatsächlich mehr mit so ’nem Technikzeug auseinandersetzen , aus einem technikaffineren Umfeld kommen, und man als Mädchen mehr herausfinden und ausprobieren muss, weil man sich lange in einem anderen Umfeld bewegt hat. Mädchen gehen da oft etwas schüchterner ran. Aber wenn man Interesse und Bock drauf hat, dann läuft das auf jeden Fall. Ich freue mich immer, wenn ich zum Beispiel weibliche Lichttechniker um mich ‚rum habe. Weil ich es irgendwie cool finde, wenn Frauen technikaffin sind.“ meint Jennifer Touch, Producerin in Berlin.

Die Hemmschwelle im Kopf – Frauen und Technik – findet man auf beiden Seiten: Die Frauen unterschätzen sich, die Männer werden techniknah sozialisiert. Das beginnt schon im Elternhaus: Welche Instrumente werden als „mädchen- bzw. jungstypisch“ assoziiert (Schlagzeug vs. Geige)?  In der elektronischen Musikszene gehen diese Stereotype weiter: Lieblicher House vs. harter Techno. Wenn eine Frau die Plattennadel wechseln will, wird sie von den Männern belächelt. Und nicht nur was die Technik rund um elektronische Musik angeht, hält sich das Stereotyp „Frauen und Technik, das passt nicht“ hartnäckig.

Beim jährlichen Girl’s Day beispielsweise versuchen Unternehmen und Wirtschaftsverbände, weiblichem Nachwuchs eine technisch ausgerichtete berufliche Zukunft als Perspektive aufzuzeigen. In vielen technischen Ausbildungsberufen herrscht nach wie vor Frauenmangel (Studie „MINT Nachwuchsbarometer“ der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften). Das liegt wiederum auch zu einem großen Teil an den Hürden in den Köpfen. Die Studie verweist nämlich auch darauf, dass schon in Familie und Freundeskreisen den Mädchen fünf Mal häufiger von technischen Ausbildungen abgeraten wird. Die Folge: Mädchen und junge Frauen trauen sich nicht, in technischen Disziplinen Fuß zu fassen.
Was sich, um den Kreis zu schließen, natürlich auch auf Interessen wie beispielsweise das Produzieren und Mischen elektronischer Musik auswirkt.

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