Vier Tipps zur Fashion Revolution Week

Vier Tipps zur Fashion Revolution Week

Vom 24.-30.04.2017 findet die diesjährige weltweit Fashion Revolution Week statt. Am 24.04.2013 brach die Rana Plaza Fabrik in Bangladesh zusammen. In dieser Fabrik wurde Kleidung für verschiedene Fast Fashion Marken, also Marken, die billige, schnell wechselnde Mode verkaufen, genäht. 1138 Menschen kamen bei diesem Unglück ums Leben, weitere 2500 wurden verletzt. Die Opfer? Hauptsächlich junge Frauen, die als Näherinnen in der Fabrik arbeiteten. Fashion Revolution Week wurde initiiert, um den Globalen Norden darauf aufmerksam zu machen, wer hinter billigen, kurzlebigen Fashiontrends steckt und wie es möglich ist, dass wir 2€ für ein T-Shirt zahlen.

Den realen Preis zahlen nicht wir Konsument*innen, sondern die Menschen, die unsere Kleidung machen. Unter unzumutbaren, oft gefährlichen Arbeitsbedingungen produzieren Näher*innen in verschiedenen Ländern des Globalen Südens für viel zu wenig Lohn für viel zu viel Arbeitszeit die Kleidung, die wir kaufen, wegwerfen, kaufen, wegwerfen, kaufen… Sie händeln giftige Färbemittel, werden oft misshandelt und missbraucht und viele von ihnen sind Kinder.

Fashion Revolution Week stellt öffentlich die Frage: Who made my clothes? Wer hat meine Kleidung gemacht? Wie kann es sein, dass die an Gewinnmaximierung interessierten Marken uns 52 Kollektionen pro Jahr (denn ja, der Zyklus für eine Kollektion in der Welt der schnellen Mode ist in der Tat nur eine einzige Woche) zu spottbilligen Preisen anbieten können? Wer zahlt den wirklichen Preis?

Wir müssen uns klarmachen, dass wir durch unser Kaufverhalten diese Marken und damit auch ihre Praktiken unterstützen. Gleichzeitig kann es nicht sein, dass eine ethisch vertretbare Garderobe vom Geldbeutel und den eigenen Möglichkeiten abhängt. Deshalb hier im Zuge der Fashion Revolution Week einige Tipps, wie jede*r den eigenen Kleidungskonsum positiv verändern kann:

 

1. Secondhandläden

Sie verlängern die Lebenszeit eines Kleidungsstücks, indem Menschen die Stücke, die sie nicht mehr lieben, abgeben und anderen die Möglichkeit geben, sie zu kaufen. So vermeidet man nicht nur Fast Fashion, sondern konsumiert überhaupt nichts neues. In das gekaufte Kleidungsstück gehen also keinerlei neue Ressourcen oder Energie. Leider haben immer noch zu wenige Städte und Regionen gut sortierte Secondhandläden. Deshalb ist es umso wichtiger, dass ihr die, die ihr entdeckt habt oder einfach besonders gut findet, mit euren Freund*innen teilt. Außerdem bieten sich Städtetrips hervorragend an, um die Secondhand-, Vintage- und Charityläden einer Stadt, in die man sonst nicht so häufig kommt, unsicher zu machen. So lernt man neue Teile der Stadt kennen, kann lustige Verkleidungen ausprobieren und hey, wie viele Hipsterpunkte bekommt man, wenn man sagt, dass der Rock, den man trägt „aus einem kleinen Vintageladen in London“ ist?!

 

2. Kleidertauschparty

Egal ob bei einem riesen Event in einer Großstadt oder mit drei Freund*innen im eigenen Zimmer: Kleidertauschparties können in jeglicher Größe stattfinden. Alle bringen ihre Kleidungsstücke, die sie nicht mehr wollen, mit und dann geht das fröhliche Anprobieren und Tauschen los. Jede*r kann eine Kleidertauschparty veranstalten; ich war auf privaten, öffentlichen in Cafés, einigen, die von politischen Jugendorganisationen veranstaltet wurden und sogar bei mehreren kirchlichen. Unter meinem Bett ist ein Karton mit der Kleidung, die ich zur nächsten Tauschparty mitnehmen möchte, aber wann immer Freund*innen mich besuchen, dürfen sie natürlich auch darin stöbern. Tauschparties sind nicht nur toll, um den eigenen Kleiderschrank auszumisten und neu zu bestücken, sie sind auch eine coole Veranstaltung, die absolut nichts kostet und bei der man einige Stunden mit Freund*innen oder auch Fremden verbringen kann.

 

3. Kleidung leihen

Seien wir ehrlich? Wie viele Cocktailkleider brauchen wir wirklich? Und ist es wirklich sinnvoll, ein neues Outfit für diese eine Veranstaltung zu kaufen? Wie wäre es stattdessen, sich Kleidung, Schuhe, Handtaschen, Accessoires und so weiter einfach mal zu leihen?  Vielleicht hat eure beste Freundin noch ein paar Laufschuhe im Schrank, die sie euch überlassen kann, bis ihr wirklich sicher seid, dass ihr ab sofort drei Mal pro Woche laufen gehen werdet und vielleicht könnt ihr eurem Kumpel für den Abschlussball etwas aus eurer Garderobe zukommen lassen. Das gleiche gilt natürlich nicht nur für Kleidung, sondern auch für Bohrmaschinen, Sandwichmaker oder die Katzentransportbox.

 

4. Reparieren und ändern

Man muss nicht immer gleich alles wegschmeißen, was einen kleinen Riss hat oder leider nicht mehr ganz passt. Schneider*innen können solche kleinen Dinge schnell und für wenig Geld flicken und ändern. Gleichzeitig unterstützt ihr ein kleines lokales Unternehmen, was auch immer toll ist. Noch günstiger wird es, wenn man sich beibringt, kleine Korrekturen selbst vorzunehmen. Youtube ist eine gute Lehrerin. Und wenn ihr euch etwas doch mal nicht zutraut, fragt doch mal herum. Vielleicht kann euer Opa flicken und vielleicht freut eure Nachbarin sich, euch gegen einen selbstgebackenen Kuchen weiterzuhelfen. Ich persönlich nähe ständig in meinem Umkreis Knöpfe an und kürze Säume. Reißverschlüsse bringe ich stattdessen zur Schneiderin. Ach ja, auch Umfärben ist übrigens ziemlich einfach, wenn man beachtet, welche Farbe für welches Material geeignet ist!

 

Diese Liste ist bei weitem nicht vollständig, sie ist absichtlich darauf angelegt, Menschen ohne ein großes Budget die Möglichkeit zu geben, ihre Garderobe nach ihren persönlichen Möglichkeiten und finanziellen Mitteln zu verändern und ein Teil der Fashion Revolution zu werden!

Lady Tea ist ewige Studentin, Veganerin und klassisch extrovertiert. Sie lebt minimalistisch und liebt ihr adoptiertes Shetlandpony. Sie schreibt ungern nüchtern.

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