Free Bleeding

Free Bleeding

The Same Procedure as Every Month!

Menstruation. Sie betrifft sehr viele von uns und das über einen ziemlich langen Zeitraum unseres Lebens. Für manche ist sie die Hölle, für manche das Zeichen, nicht schwanger zu sein und für viele ist es eine Last, auch finanziell. Denn Monatshygieneprodukte sind nicht gerade billig, sie haben zum großen Teil eine beschissene Ökobilanz und man hat sie prinzipiell nie dann parat, wenn man sie braucht. Aber wir kommen nicht drum herum. Oder? Doch! Willkommen in der Welt des Free Bleeding!

Free Bleeding

Von allen Methoden zum Menstruationsmanagement ist Free Bleeding vermutlich die einfachste und gleichzeitig kontroverseste. Free Bleeding heißt im deutschen nichts anderes, als freies Bluten und bedeutet den kompletten Verzicht auf Menstruationsprodukte wie Tampons, Binden, Schwämme oder Menstruationstassen. Sprich: Einfach laufen lassen. Freies Bluten eben. Kein Schnickschnack, kein Nichts.

Ich habe Free Bleeding schon praktiziert, als ich noch gar nicht wusste, dass es einen Begriff dafür gibt. Über ein Ökoforum bin ich auf Diskussionen gestoßen, die sich kritisch mit der Umweltbelastung auseinandersetzen, die Tampons mit sich bringen. Gleichzeitig hatte ich durch meine Kupferspirale anderthalb Jahre lang eine unfassbar lange, starke und schmerzhafte Periode. Sechzehn Tage lang Schmerzen, bei denen mir trotz einem Haufen Schmerzmittel regelmäßig schlecht wurde und die mich davon abgehalten haben, auch nur einen einzigen Schritt zu viel zu tun, weil Gehen zu sehr wehgetan hat. An den schmerzhaftesten Tagen war gar nicht daran zu denken, Tampons einzusetzen. Die Krämpfe haben dazu geführt, dass es viel zu schwer und schmerzhaft war, Tampons einzuführen und vor allem wieder zu entfernen, Binden sind beim besten Willen nicht mein Ding und mit alternativen Monatshygiene- oder Menstruationsmanagementprodukten kannte ich mich damals einfach nicht aus.

Also blieb mir oft nicht viel anderes übrig, als mir einen alten Slip zu schnappen, eine dunkle Baumwollunterhose anzuziehen und still und heimlich vor mich hin zu bluten. Und siehe da, die Welt ging nicht unter. Ich habe keine Blutlachen hinterlassen und die Menstruationspolizei kam auch nicht vorbei, um mich mitzunehmen. Ich habe einfach mein Leben weitergelebt, bin öfter zur Toilette gegangen und habe mich häufiger gewaschen. Mittlerweile praktiziere ich Free Bleeding an meinen leichten Tagen und generell nachts während jeder Periode, an allen anderen Tagen nutze ich eine Monatstasse. Trotzdem spreche ich erst seit kurzer Zeit über das Thema, obwohl ich schon diverse Workshops zum Thema Alternative Monatshygiene gehalten habe.

Free Bleeding gegen patriarchale Tabus!

In unserer Gesellschaft ist monatliche Blutung noch immer ein Tabu. Von menstruierenden Menschen wird erwartet, dass sie ihre Periode in Schach halten. Man soll Monatsblut nicht sehen, riechen und vor allem nicht darüber sprechen. Monatsblut gilt als eklig, so eklig, dass selbst in Werbung für Monatshygieneprodukte klinisch-blaue Flüssigkeit statt ein Hauch von Rot gezeigt wird. Es wird erwartet, dass wir uns für unsere Periode schämen, uns vor unseren eigenen Körpern ekeln und natürlich hochbesteuerte, umweltschädliche Produkte kaufen, um sie diskret und unsichtbar zu halten.

Free Bleeding ist das genaue Gegenteil davon und damit ein Teil der Radical Menstruation Bewegung, die sich für die Enttabuisierung von Perioden und Monatsblut einsetzt. Die Idee hinter Free Bleeding ist einfach: Keine Monatsmanagementprodukte, keine Scham, einfach nur sich selbst spüren und mit sich und dem eigenen Körper klarkommen. Dazu gehört vor allem ein gehöriger Teil Selbsterfahrung und das Lernen über den eigenen Körper. Das erste, was ich beispielsweise bemerkte, war, dass meine Krämpfe ohne Tampon weniger schmerzhaft waren. Und dass ich gar nicht so stark blutete, wie ich immer angenommen hatte. Zu Anfang war ich außerdem fest überzeugt, überall sichtbare Blutflecken zu hinterlassen, allerdings ist das in den fünf Jahren, in denen ich Free Bleeding nun schon praktiziere, noch nie passiert. Ich gehe einfach regelmäßig zur Toilette und entferne das angesammelte Blut. Vor allem, wenn man viel sitzt, oder, wie zum Beispiel beim Schlafen, liegt, fließt das Blut meist gar nicht so richtig viel heraus, sondern sammelt sich eher in einem, um dann auf der Toilette abzufließen.

Gegenseitige Information und Empowerment

Ich sage nicht, dass alle menstruierenden Menschen Free Bleeding praktizieren sollten, ich sage auch nicht, dass diese Methode für jede*n geeignet ist. Stattdessen schreibe ich diesen Artikel, weil mir wichtig ist, dass wir menstruierenden Menschen uns von unseren Erfahrungen berichten, uns Mut machen, die eigene, persönliche, perfekte Möglichkeit der Monatshygiene zu finden und sich gegenseitig darüber aufzuklären, dass die Welt neben Tampons und Binden noch sehr viel mehr zu bieten hat.

Weitere Artikel in unserer Reihe über Alternative Monatshygiene:

  • Lady Tea ist ewige Studentin, Veganerin und klassisch extrovertiert. Sie lebt minimalistisch und liebt ihr adoptiertes Shetlandpony. Sie schreibt ungern nüchtern.

    3 thoughts on “Free Bleeding

    1. Finde ich einen super Ansatz, aber glaube kaum, dass er sich für mich persönlich umsetzen ließe, da ich aufgrund der Pille (die ich nicht zur Verhütung, sondern als Medikament einnehme) über einen Zeitraum von wenigen Tagen relativ starke Blutungen habe. Hatte schon die Erfahrung, dass sich Blutflecken zwischen den Beinen, sogar bei Jeans, abgezeichnet haben, das ist im Alltag einfach nicht machbar.

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