Hoch die Menstruationstassen!

Hoch die Menstruationstassen!

Meine erste Blutung hatte ich, als ich kurz vor meinem zwölften Geburtstag stand. Ich wusste vorher, was mich erwartet, und ich habe sehnsüchtig darauf gewartet. Meine Mutter hat es sofort bemerkt und mich mit Binden versorgt. Bis ich dann auch mal Tampons ausprobierte, dauerte es nicht lang. Dabei bin ich dann im Wesentlichen geblieben.

Meine erste Menstruation jährt sich dieses Jahr zum 24. mal. Das sind eine enorme Menge Tampons, die ich in diesen Jahren verbraucht habe. Ein mit 19% Mehrwertsteuersatz belegter “Luxusartikel”, wohlgemerkt. Zwischendurch gab es auch Zeiten, in denen ich mit weniger als dem Existenzminimum klarkommen musste – da waren auch diese zwei Euro manchmal zu viel und ich habe eben massenhaft Toilettenpapier ins Höschen gestopft (Wer das schon mal gemacht hat, weiß: das bleibt überall kleben und ist eine ordentliche Sauerei).

Tampons nervten irgendwann nur noch

Nun hatte ich nach so vielen Jahren gründlich die Nase voll. Tampons sind an schwächeren Tagen nicht bequem, sie sind zu selten gewechselt ein Gesundheitsrisiko, sie verursachen Müllberge und kosten eigentlich zu viel. Dazu kommt, dass ich permanent das Gefühl von Demütigung hatte, mit diesen Dingern rumhantieren zu müssen. Dabei geht es gar nicht darum, dass man sie sich einführt (das tut man mit Menstruationstassen ja auch). Aber dieser Wegwerfartikel Tampon macht den ganzen Prozess irgendwie schmutzig, man hat nicht nur das Gefühl, dass der Tampon Müll ist, sondern auch das, was darin hängen bleibt. Schade, denn das entfremdet einen irgendwie vom eigenen Körper und den natürlichen Vorgängen, die mit ihm zusammenhängen.

Endlich Alternativen!

Als in meinem Umfeld dann das erste Mal über Alternative Monatshygiene gesprochen wurde, war ich extrem skeptisch, fand aber trotzdem die Idee der Menstruationstassen oder Menstrual Cups irgendwie gut. Allerdings bin ich nicht davon ausgegangen, dass das was für mich sein könnte. Ich war mir sicher, dass meine Periode zu stark ist, und sowieso alles vorbeiflösse. Und dann das Auswaschen, muss doch eine riesige Sauerei sein! Und wie mache ich das auf öffentlichen Toiletten?

Ein Jahr später war ich dann doch soweit. Ich will keinen unnötigen Müll mehr produzieren, ich hatte in meinem Leben zu viele Scheideninfektionen durch Pilze und Bakterien. Der Flora kann ich keine Tampons mehr antun. Und Binden – nein danke, an einigen Tagen jeden Monat verliere ich bis zu 100 ml Blut am Tag (ja, das ist ungewöhnlich viel, aber kommt zum Beispiel vor, wenn man Kinder bekommen hat). Das ist mir dann doch zu unsicher. Menstruationstassen sind in der Zwischenzeit im Drogeriemarkt erhältlich, für 15 Euro. Plötzlich war die Schwelle sehr niedrig, und ich dachte mir “im schlimmsten Fall hast du 15 Euro in eine Erfahrung investiert”.

Ein befreiender Kauf

Es mag seltsam klingen, aber ich habe mich total gefreut, als ich letztlich im Drogeriemarkt stand und die dort erhältlichen Menstruationstassen begutachtete. Als ob ich meiner inneren Königin ein Geschenk machen würde, es hatte fast etwas von einem Ritual, mit dem ich meinen Körper feierte. Ich freute mich also auf einen Befreiungsschlag und war gleichzeitig skeptisch, ob das überhaupt für mich funktionieren würde. Schon die Frage nach der richtigen Größe! Über die Sorgen von Männern* über die Größe ihres Gemächts wird ja allerlei geschrieben. Aber ich bin mir sicher, dass die meisten Frauen ähnliches in Bezug auf ihre Scheide umtreibt: bin ich vielleicht “zu weit”? Spätestens, wenn man sich mit Kinderkriegen und Beckenbodenübungen auseinandersetzen musste, wird das Thema. Vielleicht – so schießt es einem in den Kopf – passen mir diese Menstruationstassen gar nicht, oder höchstens in XL?

Diese Sorge tanzt also in meinem Kopf Tango mit der Frage nach dem richtigen Umgang mit dem kleinen Ding aus Silikon. Ich studiere die Tabelle auf der Rückseite der Packung. Aha, große Frauen, eher größere Größe wählen (na toll), wenn man Kinder hat, eher noch größer (ich hatte einen Kaiserschnitt, was bedeutet das nun?). Bitte aber etwas kleiner wählen, wenn man Sport treibt. Alles sehr verwirrend. Ich beschließe, dass ich im schlimmsten Fall eben 15 Euro in den Sand setze, wenn ich die falsche Größe nehme. Und kaufe eine Tasse in L.

Das erste Kennenlernen

Freudiges Auspacken zuhause. Die Menstruationstasse ist violett und kommt mit einem violetten Stoffbeutelchen als Aufbewahrung daher. Das ist schon deutlich schicker als diese unwürdigen Tampon-Großpackungen, die man sonst so undekorativ im Regal stehen hat. Silikon ist ein lustiges Material, es fühlt sich toll glatt an. Gleichzeitig kommt mir die Tasse recht fest und stabil vor, was mich erst skeptisch macht (das kann doch nicht bequem sein?). Die Anleitung ist ausführlich genug und nachvollziehbar. Ich habe es nach einigem Gefummel auch schnell raus, wie man die Menstruationstasse einsetzt – die Größe L saß übrigens nicht so sonderlich bequem, was laut Anleitung bedeutete, dass sie wohl zu groß war. Ich kaufe also eine zweite in M. Die ist zwar leider weiß statt violett, sitzt aber so, dass ich sie tatsächlich nicht spüre! Ich bin sehr positiv überrascht. Meine Erwartung war, dass man permanent ein Fremdkörpergefühl hat (man kennt das von schwachen Tagen, an denen man trotzdem Tampons trägt – kein schönes Gefühl).

Monatshygiene als Erwachsene neu lernen? Spannend!

Ich muss gestehen, dass ich dem Frieden anfangs nicht traute, und zusätzlich sicherheitshalber noch Binden benutzt habe. Nach einigen Tagen, also noch während der ersten Test-Periode (im wahrsten Wortsinne), habe ich die dann aber auch ganz mutig weggelassen. Erst wenn die Menstruationstasse wirklich randvoll ist, tropft ein bisschen was durch winzig kleine Löcher am oberen Tassenrand raus. Da ich, wie oben erwähnt, eher starke Blutungen habe, habe ich sowieso recht häufig nachgesehen. Und ich hatte auch das Gefühl, zu merken, wenn es an der Zeit war, mal “auszuleeren”.

Das ist übrigens ein großes Plus für mich: Ich weiß nun tatsächlich, wie viel Blut ich verliere! Vorher war es einfach an drei Tagen im Monat ein Schlachtfeld, bei dem ich gefühlt literweise Blut verloren habe. Aber Blut sieht ja auch immer nach mehr aus, als es tatsächlich ist. Liter sind es nicht, aber genug, um Eisentabletten nehmen zu müssen.

Das Rausnehmen erfordert tatsächlich ebenso Übung wie das Einsetzen, vielleicht sogar mehr. Da der Tassenrand sich an die Scheidenwand drückt, entsteht ein leichter Unterdruck. Den muss man beim Rausnehmen erst lösen, und wenn die Menstruationstasse sehr voll ist, kippt man sich dabei unter Umständen etwas vom Inhalt über die Hand. Ist die Tasse nur halb voll, hat man wesentlich weniger Sauerei, deswegen bin ich dazu übergegangen, lieber einmal öfter nachzuschauen. Ist man zuhause, kann man die Menstruationstasse dann vor dem erneuten Einsetzen kurz mit Wasser abspülen. Unterwegs mache ich das nicht, da tupfe ich sie mit etwas Toilettenpapier außen sauber, das reicht.

Ein bisschen Übung ist erforderlich, aber es lohnt sich

Ich habe erst eine Periode mit der Menstruationstasse hinter mir. Meine Erfahrungen sind bis dato sehr positiv. Wenn man ein bisschen geduldig mit sich selbst ist, dann hat man mit der Menstruationstasse eine Freundin fürs Leben (vor der Menopause) gefunden. Es wird aber auch in der Anleitung explizit darauf hingewiesen, dass man diese Geduld braucht, der routinierte Umgang kann einige Zyklen dauern. Die Tasse kommt in den Größen XS bis XL daher. Ich würde sie jetzt schon jeder Frau* weiterempfehlen, inklusive meiner Tochter, die, wenn sie nach mir kommt, noch fünf Jahre Zeit hat, bevor sie sich um Monatshygiene kümmern muss.
Mal ehrlich: wenn ich eine einfache, saubere, auf Dauer kostengünstige, müllfreie und vor allem würdevolle Methode gefunden habe, Monatshygiene zu betreiben, dann bringe ich die Geduld gerne auf, den Umgang damit zu lernen.

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