Eine Raute & das Wort Aufschrei

Eine Raute & das Wort Aufschrei

Anmerkung: Dieser Text wurde inspiriert, vom FrauenFachForum in Halle (Saale), organisiert vom Landesfrauenrat Sachsen-Anhalt e.V. und der Landesarbeitsgemeinschaft der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten des Landes Sachsen-Anhalts.

 

Sich engagieren, sich einbringen, mitreden, die eigene Stimme nutzen – das alles ist um einiges leichter geworden, seit es das Internet gibt. Du musst nicht mal deine Wohnung verlassen, um dich aktiv für oder gegen etwas einzusetzen. (Hin und wieder solltest du das trotzdem tun – frische Luft und Sonnenlicht sind gesund. Auch wenn es auf dem Sofa mit Schokolade und Tee viel gemütlicher ist.) Aber das Internet kann auch schnell ein fieser Ort werden, an dem wir uns nicht mehr sicher fühlen. Gerade wenn du über Diskriminierung sprichst, wirst du schnell Zielscheibe von Hass und Wut und Gewaltausdrücken. Deswegen haben wir hier einige Tipps und Hinweise, mit denen Feminismus im Netz vielleicht noch ein bisschen mehr Spaß machen kann.

 

1. Suche dir sichere Räume

Hassnachrichten sind schwer auszuhalten. Es macht keinen Spaß zu lesen, dass jemand dich und deine Meinung verabscheut oder dir sogar verschiedene Gewalttaten androht. Pass auf dich und deine psychische Gesundheit auf! Dazu gehört auch, dass du dir von Beginn an sichere Räume suchst. Also Räume, in denen du sprechen kannst, ohne Angst vor Reaktionen zu haben. Das kann einfach nur eine WhatsApp-Gruppe mit deinen Freund*innen sein oder eine geschlossene Facebook-Gruppe mit anderen Menschen, die sich für das gleiche einsetzen. Such dir Menschen, die deinen Fehlern mit Verständnis begegnen werden und Gruppen, in denen es darum geht sich gegenseitig zu unterstützen und voneinander zu lernen. Denn – Spoiler-Alert! – du wirst Fehler machen; machen wir alle. Niemand ist perfekt und niemand kann alles wissen und das ist im Feminismus genauso wie bei  allem anderen auch. Also such dir Personen mit Verständnis, suche nach guten Diskussionen und suche sichere Räume für halb-formulierte Gedanken und Lernprozesse – und das gute Gefühl.

 

2. Du musst nicht jede Diskussion führen

Online haben sich Umgangsformen  etabliert, die wir im offline-Leben niemals zulassen würden. Wenn jemand schreiend in einen Raum kommt und an der Diskussion teilhaben will, würden wir die Person doch auch des Raumes verweisen, oder? Aber dass ein fieser Umgangston in digitalen Räumen keine Seltenheit ist, heißt nicht, dass du dich darauf einlassen musst. Die meisten Webseiten und soziale Netzwerke haben etwas, das sich Netiquette nennt: Dort wird genau festgehalten, was geht und was nicht. Grundregeln des digitalen sozialen Miteinanders sozusagen. Und wenn eine Person diese Grundregeln nicht einhält, dann musst du auch gar nicht mit ihr reden. Jemand, der schreit und brüllt und beleidigt, disqualifiziert sich für die Teilnahme an einer Diskussion. In der Schule wäre so jemand vor die Tür geschickt worden, und nicht nur dort. Also warum lassen wir uns online plötzlich darauf ein, so miteinander zu reden? Haben wir nicht schon in der Jugend gelernt, dass das nicht okay ist?

Du musst dir auch nicht einreden lassen, dass du den Hass provoziert hättest. Es gibt oft genug die Aussage: ‚Feminismus ist doch ein streitbares Thema, da musst du dich nicht wundern, wenn du so Reaktionen bekommst.‘ Bullshit! Auch streitbare Themen (wobei ich nicht unterschreiben würde, dass Feminismus eines ist. Aber das ist ja Ansichtssache.) können auf einem menschlichen und freundlichen Niveau diskutiert werden. Seit wann ist es in Ordnung kacke zu anderen Menschen zu sein, sobald man deren Meinungen nicht teilt!?

 

3. Gib das Mikrofon weiter

Nicht jede*r von uns ist in der Position über jedes Thema zu sprechen. Oft sehen und hören wir nur die Meinung weißer, heterosexueller, cis-gender Menschen ohne Beeinträchtigung. Oft von cis-Männern. Das sollte sich dringend ändern. Und wir können dabei helfen. Wenn du also zum Beispiel auf Rassismus aufmerksam machen möchtest, aber selbst weiß bist: Suche dir andere Aktivist*innen und gib ihnen dein Mikro! Frag sie nach einem Interview oder biete deinen Blog als Plattform für Gastbeiträge oder teile ihre Tweets und Facebook-Posts. Nutze deine Reichweite, um auf andere aufmerksam zu machen. (Überraschung: Netzfeminismus ist kein Wettbewerb. Es geht nicht um die größte Reichweite oder die meisten Likes oder die größte Anzahl Follower.) Du kannst natürlich auch als heterosexueller Mensch auf LSBTT*IQ-Themen aufmerksam machen. Was du nicht tun solltest ist über andere für andere zu reden. Also wann immer sich dir die Gelegenheit bietet: Gib dein Mikrofon weiter, die Bühne ist groß genug.

 

4. Es ist dein Recht, Personen zu blocken und Kommentare zu löschen. Oder anzuzeigen.

Jemanden, der*die dich schlecht behandelt, würdest du vermutlich bitten zu gehen, wäre die Person bei dir zu Hause. Das gleiche darfst du auch online machen. Wenn jemand Hass im Netz verbreitet, kannst du den Account blocken. Es gibt auch immer die Möglichkeit Beiträge, Seiten und Personen zu melden. Auf jeden Fall hast du das Recht, die Hass-Kommentare von deiner Seite zu löschen. Das ist keine Zensur – das ist ein Signal, dass so nicht miteinander umgegangen werden kann.

Das Internet ist außerdem kein rechtsfreier Raum. Wenn du das Gefühl hast, dass da jemand etwas geschrieben, getweetet oder geteilt hat, das strafbar ist, kannst du das anzeigen. Klar, es bleibt fraglich, wie viel das bringt. Aber die Polizei und Staatsanwaltschaft werden auch nur für das Problem von Online-Gewalt geschult und trainiert, wenn sie es für ein Problem halten. Damit das passiert, müssen wir sie darauf aufmerksam machen. Also anzeigen. Wann immer dir jemand Gewalt androht, kannst du eine Strafanzeige stellen. Das geht in den meisten Bundesländern sogar online. (Weil das Sofa immer noch so gemütlich ist.)

 

5. Vernetze dich mit anderen.

Das Internet ist groß, und es hilft, nicht alleine da zu stehen. Also suche nach anderen und vernetze dich mit ihnen. Verlinke zu den Informationen, die andere schon geteilt haben – du musst nicht alles alleine machen. Und benutze Hashtags, damit andere dich finden. Zum Beipsiel: #tampontax #aufschrei #ausnahmslos #schauhin #imzugpassiert #neinheißtnein #ichbinhier

Oder auch einfach: #feminismusfetzt.

 

6. Teile großartige Dinge

Klar ist es wichtig, anderen Menschen zu erklären, warum Feminismus toll und wichtig ist. Aber diese ständigen Diskussionen um Inhalte können ermüdend sein und sich manchmal so anfühlen, als würden sie uns nicht wirklich weiterbringen. Also einfach mal eine Pause machen mit den Inhalten und stattdessen Werte teilen. Klingt erstmal seltsam. Was gemeint ist: Teile Dinge, die feministische Werte vertreten, und mache andere darauf aufmerksam. Du hast ein Buch gelesen, das toll geschrieben ist? Erzähl davon! Du hast einen Film oder eine Serie mit einem vielfältigen Cast gesehen und es gibt noch dazu eine spannende Handlung? Teile den Trailer! Egal welche Form von Kunst, Kultur oder Medien – es ist so wichtig, dass wir das, was unsere Werte vertritt, auch pushen.

 

7. Sei solidarisch

Wenn du mitbekommst, dass eine andere Person Zielscheibe von Hass wird, solidarisiere dich. Menschen, die gerade einen Shitstorm abbekommen, werden dir dankbar sein. Auch wenn du nur einen Kommentar schreibst, in dem steht: „Ich sehe das genauso wie du. Du bist nicht allein.“ Auch wenn du nur Energie für einen einzelnen Tweet findest, in dem du bestätigst, dass dieser Hass nicht gerechtfertigt ist. Auch wenn es nur eine kleine Geste ist: Nimm dir die Zeit dafür. Es kann sich schnell so anfühlen, als würde man einsam an weiter Front kämpfen. Und es ist wichtig, dass wir uns gegenseitig den Rücken stärken, füreinander da sind und einander helfen!

 

Und wenn du jetzt Lust bekommen haben solltest, dich im Netzfeminismus einzumischen, aber nicht weißt, wo du anfangen sollst: Bei uns kannst du jederzeit mitmachen! http://www.innenansicht-magazin.de/mitmachen/

Alica ist das verkörperte Klischee einer Künstlerin, studiert dazu irgendwas mit Medien und hat eine Leidenschaft für Harry Potter. Wenn sie groß ist, will sie Superheldin werden.

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