Männerrechte – jetzt sind mal die Männer dran!

Männerrechte – jetzt sind mal die Männer dran!

Triggerhinweis: Dieser Text thematisiert Depressionen, Suizid, sowie häusliche Gewalt.

Wir müssen reden. Nicht nur über Feminismus und Frauen*rechte – sondern auch über Männer*, denn alle Geschlechter sind letztlich Teil des Geschlechtersystems. Der moderne (Queer-)Feminismus denkt auch Männer* mit. Bestehende Stereotype und Rollenverteilungen schaden auch ihnen, nämlich dann, wenn sie von einer männlichen* Norm abweichen oder ihre vorgesehene Rolle nicht erfüllen möchten oder können.

Wenn man nun den Begriff “Männerrechtsbewegung” hört, könnte man meinen, dass es diesen Aktivisten* darum geht, sich generell für gendergerechte Politik einzusetzen, die auf spezifische Bedürfnisse von Männern* eingeht und auch gegen Benachteiligung von Männern* in manchen Bereichen kämpft . So zum Beispiel, wenn es um die Elternrechte von Männern* nach Trennungen geht. Gut so! Endlich wehren sich Männer* gegen Stigmatisierung, wenn sie vermeintlich “unmännliche” Dinge tun.

Männerrechtsbewegung oder Männerbewegung

Doch hier lauert eine Begriffs-Falle. Es gibt eine Männerrechtsbewegung – und eine Männerbewegung. Beide sind zwar nicht ganz klar voneinander trennbar, manche Strömungen verschwimmen. Allgemein kann man aber sagen: Die Männerbewegung ist emanzipatorisch und setzt sich kritisch mit althergebrachten Männlichkeitsbildern und der Selbstwahrnehmung von Männern* auseinander. Teilweise orientiert sie sich sehr stark an Themen der Frauenbewegung und sieht das Patriarchat als Unterdrücker aller Geschlechter.

Ganz anders sieht es bei der Männerrechtsbewegung aus. Sie entstand aus der “Men´s Liberation” Bewegung in den USA der 70er und steht mehr für das Zurückdrehen von Frauenrechten, als für Fortschritt. Oft ist diese Bewegung regelrecht frauen*feindlich geprägt. In der Frauen*bewegung sieht diese Strömung eine Bedrohung, die durch eine Gegenbewegung bekämpft werden muss.

Sind Frauen* mittlerweile privilegiert?

Die Argumente der Männerechtler, wieso es diese Gegenbewegung zur Frauenbewegung geben müsse, sind vielfältig. Frauen* seien mittlerweile besser dran als Männer*, schließlich würden sie überall gefördert, es gebe Frauen*quoten, mehr Aufmerksamkeit für frauen*spezifische Probleme, und so weiter. Damit würden männliche* Probleme ins Hintertreffen geraten oder schlichtweg ignoriert. Aber stimmt das überhaupt? Wir haben einige der häufigsten Argumente von Männerrechtlern unter die Lupe genommen, um herauszufinden, ob es tatsächlich eine Benachteiligung von Männern* in diesen Bereichen gibt.

1. Jungs sind schlechter in der Schule

Jungen* machen im Schnitt seltener Abitur, haben häufiger Hauptschulabschlüsse und mit größerer Wahrscheinlichkeit gar keinen Schulabschluss als Mädchen*. Männerrechtler* argumentieren an dieser Stelle, das allein sei schon ein klarer Beweis dafür, dass Mädchen* bevorteilt würden und das Bildungssystem auf sie zugeschnitten sei. Nun ist diese Darstellung etwas verkürzt. Es stimmt, dass vor allem diejenigen Jungen* mit Schwierigkeiten und schlechten Noten gut auf strengere und frontalere Unterrichtsmethoden ansprechen, wie sie früher üblicher waren. Modernere Unterrichtsmethoden setzen eher auf andere Elemente. Man könnte also argumentieren, dass es hier wirklich eine “Benachteiligung” von Jungen* gibt, weil die Methoden nicht für sie ausgelegt sind.

Schaut man sich genauer an, welche Jungen* schlecht in der Schule abschneiden, dann sind es meist diejenigen, die eher auf traditionelle Männlichkeit hin erzogen werden. Sie interessieren sich weniger für die Schule, machen seltener Hausaufgaben, lesen und lernen weniger und verfolgen eher als männlich* angesehene Aktivitäten, wie Fußballspielen, statt in ihrer Freizeit strebsam zu sein.
Es liegt der Schluss nahe, dass es nicht die Bedingungen sind, die es Jungen* in der Schule schwer machen, sondern die festgefahrene Annahme, dass lesen, lernen, mitarbeiten und zuhören unmännlich ist. Damit krankt es an althergebrachten Rollenbildern, und nicht daran, dass Mädchen* stärker gefördert würden.

2. Männer* begehen häufiger Selbstmord

Depressionen können so schwerwiegend sein, dass Menschen nicht mehr weiterleben wollen – und sie sind für den Großteil aller Suizide verantwortlich. Die Statistik verzeichnet ein interessantes Paradoxon: Männer* bringen sich dreimal häufiger um als Frauen*. Jedoch sind Frauen* dreimal so häufig wegen Depressionen in Behandlung. Wie passt das zusammen? Expert*innen sagen, dass dies alles andere als ein Widerspruch sein muss.

Frauen* sind kulturell viel weniger unter dem Druck, stark sein zu müssen und emotionalem Stress standzuhalten. Sie dürfen eher über ihre Gefühle sprechen und sich kritisch mit ihrem Seelenzustand auseinandersetzen. Männer* (vor allem ältere) haben das oft schon von klein auf nicht richtig gelernt und können entsprechend schlechter mit besonderen emotionalen Belastungszuständen umgehen. Sie suchen sich seltener Hilfe – weil sie glauben, ein „echter Kerl“ müsse das eben aushalten. Und sie sprechen auch weniger gut auf Behandlungen an, weil sie nicht gelernt haben, wie man mit den eigenen Gefühlen umgeht und sie ausdrückt. Nicht behandelte Depressionen aber führen häufiger zum Selbstmord. Interessant ist in dem Zusammenhang auch, dass Frauen* zwar mindestens gleich häufig Suizidversuche begehen, bei der Wahl der Todesart aber zu weniger gewalttätigen Mitteln wie beispielsweise Medikamenten greifen, und damit erfolgloser sind. Männer* neigen eher zu definitiven Methoden, erhängen, erschießen oder stürzen sich von Brücken.

3. Männer* haben Nachteile, wenn es um Elternrechte nach Trennungen geht

Beziehungen zerbrechen – das schmerzt immer. Wenn gemeinsame Kinder im Spiel sind, kommt zu dem Schmerz noch hinzu, dass sich die Eltern über den Umgang und eventuell das Sorgerecht einig werden müssen. Nach wie vor ist es so, dass die allermeisten Kinder von getrennten Paaren bei der Mutter* bleiben, und der Vater* sie nur in regelmäßigen Abständen sieht. Nur 10 % der Alleinerziehenden sind Väter. Wenn es um Sorgerechtsstreitigkeiten geht, werden die Kinder eher der Mutter* zugesprochen. Viele betroffene Väter*, aber auch Feminist*innen und Männer*aktivisten stellen diese Tendenz zu Recht in Frage. Haben wir es hier also mit einer strukturellen Benachteiligung von Männern* zu tun?

Tatsächlich neigen gerade Familiengerichte oft dazu, pauschal Frauen* eher Kindererziehungskompetenzen zuzuschreiben. Es sei eben ihre “natürliche” Rolle, so scheint noch die verbreitete Annahme unter Richter*innen. Dabei greift auch das Bild vom verantwortungslosen Vater zu kurz, das gerne gezeichnet wird. Natürlich gibt es viele Väter, die sich nicht kümmern und nicht einmal Unterhalt zahlen – doch viele streiten sich auch vor Gericht, weil sie mehr Verantwortung übernehmen wollen und auch gerne das Sorgerecht übernehmen.

Nun können die betroffenen Väter* oft selbst nichts dafür, dass ihnen Erziehungskompetenzen abgesprochen werden. Stattdessen dürfen wir uns alle bei einem System bedanken, in dem Männer* mit gesellschaftlichen und beruflichen Nachteilen zu rechnen haben, wenn sie der Familie Vorrang einräumen und auch mal länger Elternzeit nehmen als zwei Monate – oder gar gänzlich auf Teilzeit reduzieren. Wäre das nämlich auch bei Männern* Gang und Gäbe, wäre der gedankliche Sprung leichter hin zum “natürlich ist dieser Mann* genau so gut oder besser als seine (Ex-)Frau* in der Lage, Kinder zu erziehen.”

4. Männer* sind häufiger Opfer von Gewaltverbrechen

Männer* sind häufiger Opfer von Gewalt. Dazu gibt es Studien, und das bestreitet auch niemand. Doch bevor wir hier ein Zeichen dafür sehen, dass es das Patriarchat gar nicht gibt, sollten wir uns vor Augen halten, dass diese Gewalt in den meisten Fällen nicht nur Männer* betrifft, sondern auch von Männern* ausgeht. Das Phänomen trifft auch nur für Gewalt in der Öffentlichkeit zu. Wenn es zum Beispiel um Körperverletzungsdelikte im öffentlichen Raum geht, haben wir es häufig mit Prügeleien zu tun, ob im Fußballstadion oder vor der Kneipe. Da geht es auch um Rituale, die sehr wohl einem Männlichkeitsbild entsprechen. Männer* müssen stark sein und das durch körperliche Überlegenheit demonstrieren. Gehen wir aus der Öffentlichkeit ins Private, sehen die Zahlen leider ganz anders raus. Hier sind nämlich Frauen* drei- bis viermal häufiger Opfer als Männer* – Dunkelziffer exklusive.

5. Männer* sterben früher

Der Blick in die Statistik ist eindeutig: Frauen* haben in Deutschland eine höhere Lebenserwartung als Männer*, und zwar rund neun Jahre. Manch eine*r versteht dies als Hinweis darauf, dass zu wenig medizinische Forschung betrieben wird, die zum Ziel hat, typische Krankheiten zu verstehen, die Männer* eher betreffen als Frauen*.

Dabei müssen wir, wenn wir die Lebenserwartung anschauen, aber erst einen Blick in die so genannten Sterbetafeln des Statistischen Bundesamtes werfen. Und dort sehen wir, dass gerade in jungen Jahren deutlich mehr Männer* als Frauen* sterben. Auffällig ist der Unterschied vor allem ab 18 bis in die späten 20er. Es ist bekannt, dass vor allem junge Männer* zu risikoreicherem Fahrverhalten neigen. Welche Art von Forschung oder Förderung soll das verhindern? Jede*r weiß wie die Risiken aussehen. Aber schnell und riskant, womöglich alkoholisiert fahren ist nach wie vor etwas, das junge Männer* tun, um sich und anderen ihre Männlichkeit zu beweisen.

Mit mehr Risikobereitschaft haben auch andere Gründe zu tun, die es für das frühere Ableben von Männern* gibt: Höherer Alkoholkonsum und stärkeres Rauchen. Beides sind sehr gut erforschte Gebiete, aber Rauchen und Saufen gelten als männlich und rebellisch – das Hilfesuchen bei resultierenden Suchtproblemen leider nicht und ist deswegen oft verpönt – unter Männern* mehr als unter Frauen*.

Wir sollten gegen Stereotype kämpfen

Was können wir nun aus all dem schließen? Dass sich Männer* nicht so anstellen sollen, denn sie sind an ihrer Misere in vielen Bereichen ja selbst schuld? Nein, das wäre zu einfach und auch nicht gerecht. Vielmehr sind Männer* auch nur Opfer eines Systems, das sie in eine Rolle zwingt – eine Rolle, der sie oft gar nicht entsprechend können oder wollen.

Doch genau so wenig kann man behaupten, dass Frauen* mehr Aufmerksamkeit und mehr Förderung geschenkt würde – die Forschung in allen Bereichen (wie zum Beispiel Medizin, Bildung, Kriminologie) hat Männer* sehr wohl deutlich im Blick. Warum sich deren Situation dann nicht verbessert? Da haben all die erwähnten Punkte eines gemeinsam: Traditionelle Männlichkeitsvorstellungen stehen hier im Weg. Was wir brauchen ist also vor allem der Kampf gegen Stereotype, gegen Rollenbilder, die überholt sind, und mehr Freiheit für alle Geschlechter.

Foto: by Lannyboy89

5 thoughts on “Männerrechte – jetzt sind mal die Männer dran!

  1. 1. die Tatsache, dass in den allermeisten Länder Sexualstraftaten, wenn die von einer Frau an einer männlichen Person begangen werden, per se nicht als Straftat anerkannt werden (ja auch in mitteleuropäischen Ländern gilt eine Vergewaltigung nicht als Vergewaltigung, wenn einer Frau einen Mann vergewaltigt), beweist schon ein systematischer Unwille, Männer und Frauen gleich behandeln zu wollen. Auch in Sachen häusliche Gewalt, wo ja die Öffentlichkeit nach wie vor mit dieser selektiven Wahrnehmung männliche Opfer systematisch ignoriert, ist nicht gerade förderlich für die Gleichberechtigung.
    2. die Benachteiligung in Sachen Schulbildung ist ein sehr gravierendes Problem, welches mit grösster Priorität gelöst werden muss. Das wäre auch im Interesse aller Frauen, die gerne Karriere machen würden und Lohngleichheit wünschen. Leider werden Männer durch ihre Bildungsbenachteiligung regelrecht ins Bestreben nach beruflichen/ finanziellen Erfolg getrieben, weil sie, mangels Bildung, schlichtweg keiner andere Möglichkeit haben. Würde man Männern eine bessere Hochschulbildung ermöglichen, könnten sie es sich später auch leisten, beruflich zu Gunsten der Kindererziehung etwas kürzer zu treten.

    Leider setzen sich FeministInnen nicht nur nicht dafür ein, sondern verleugnen/ verharmlosen die bestehenden Probleme und verbreiten stereotypische Weltbilder, anstatt diese zu bekämpfen.

    1. Lieber Stephan,
      zu 1.) dass Vergewaltigungen von Frauen* an Männern* nicht als solche anerkannt werden, sehen wir definitiv auch als ein großes Problem. Die Frage ist hier aber vor allem: Warum ist das so? Die Vermutung vieler Wissenschaftler*innen ist, dass es eben – wie wir am Schluss des Artikels auch bemerken – auch hier eine sehr starke Stereotypen-Komponente gibt. Die Öffentlichkeit ignoriert diese Straftaten ja nicht einfach per se, sondern es wird vor allem unheimlich wenig darüber gesprochen. Für Männer* ist es noch viel schwerer, über diese Art von Gewalt zu sprechen, denn es bedeutet eine unheimliche Stigmatisierung für einen Mann*, Opfer von weiblicher Sexualgewalt zu werden. Männer* sollen stark sein, Frauen sind grundsätzlich erst mal schwächer, und körperlich sowieso, außerdem muss ein „echter Mann“ sowieso „immer wollen und können“. Das ist leider sehr tief verankert. Damit sind wir aber wieder bei ein und derselben Ursache, die wir im letzten Absatz erläutern: Das Problem sind die gesellschaftlich verankerten Stereotype, die müssen aufgebrochen werden, denn die schaden allen Geschlechtern. Wir sind da also völlig auf der gleichen Seite.
      2. Ehrlich gesagt kann ich hier die Argumentation nicht ganz verstehen. Wenn schlechtere Schulbildung dazu führt, dass Männer sich „mehr anstrengen“ (so argumentierst Du ja?), warum haben sie dieses Bestreben nicht schon in der Schule? Warum gilt es in der Schule als unmännlich, strebsam zu sein und in der Freizeit zu lesen, später ist Ehrgeiz aber total männlich? Außerdem wäre es demnach ja früher, als gerade Hochschulbildung vor allem Männern* vorbehalten war, dann anders herum gewesen, nämlich dass die Frauen umso ehrgeiziger in die Berufe gedrängt wären.
      Übrigens ist es gerade so, dass ja Männer* oft deswegen nicht die Kindererziehung machen (wollen/sollen), WEIL sie besser verdienen und damit die Familie „besser“ ernähren können, ganz unabhängig davon wie gut ihre Hochschulbildung ist. Denn die Hochschulbildung allein ist kein Faktor, der in die Wahrscheinlichkeit einfließt, ob ein Mann* zuhause bleibt oder nicht. Das ist also kein Argument, bzw. ein sehr weit hergeholtes.

      Fakt ist, die so genannte „Benachteiligung“ in Sachen Schulbildung ist ein hausgemachtes gesellschaftliches Problem, das nur dadurch gelöst werden kann, dass bestehende Stereotype aufgelöst werden. Wenn Jungs* nicht mehr denken, sie seien uncool, wenn sie sich für die Schule interessieren, ist schon gewaltig viel gewonnen.

      Dein letzter Absatz ist ein Pauschalurteil, das jeglicher Grundlage entbehrt – beim besten Willen: Welche stereotypen Weltbilder verbreiten „wir“ denn bitte? Oder nennst Du es verbreiten, wenn man Stereotype anspricht und fordert, diese zu überwinden? Das ist in diesem Artikel mehrfach explizit gesagt worden: Die Stereotype sind das Problem und müssen bekämpft werden. Das geht aus allen unseren Artikeln sehr deutlich hervor. Vielleicht versuchst Du da ein Feindbild zu sehen, wo keines ist. Denn unsere gesamte Redaktion setzt sich im Sinne eines Queerfeminismus dafür ein, dass es eine tatsächliche Gleichstellung gibt, und ja, das beinhaltet auch, dass kein Mann* dafür ausgelacht werden sollte, dass er gerne in der Schule aufpasst oder seine Karriere zu Gunsten der Kindererziehung hinten an stellt. Das ist das, wofür der moderne Feminismus kämpft.

      1. Wieso müssen dann viele Männer das Hochschul-Studium abbrechen weil es Madam nicht passt dass er lernen oder eine Seminararbeit schreiben muss wo auf der anderen Seite wenn Sie studiert wird volle Unterstützung verlangt? Wieso gibt es im Kindergarten keine Männer als Pädogogen? Weil die Mütter Angst haben dass er sich am Kind vergreifen könnte. Wieso wird bei der Hausarbeit wen er zusammenlegt, putzt oder aufräumt alles als falsch angesehen von der Frau? Wieso kann im Job die Frau als Mutter ständig früher gehen / später kommen / überhaupt nicht kommen wo auf der anderen Seite der Vater seine Stunden runterbiegen muss? Wo ist hier die Gleichberechtigung?

        1. Zu deinem ersten Beispiel: Das klingt mir sehr nach einem persönlichen Beispiel und nicht nach der „Regel“. Gesellschaftlich üblich ist das jedenfalls so nicht. Zu 2: Es GIBT männliche Erzieher in Kindergärten. Zu wenige, aber es gibt sie. Das Problem ist eher, dass die meisten Männer diesen Job nicht machen wollen. Warum? Weil sie nicht dafür belächelt werden wollen, weil es „unmännlich“ ist und vor allem miserabel bezahlt. Das Beispiel mit der Hausarbeit klingt mir wieder nach einem Erfahrungswert. Fakt ist eben, dass Frauen insgesamt sehr viel mehr Hausarbeit machen, die Statistik beweist es. Ob sie es auch „besser“ machen oder das zumindest denken, darüber gibt es keine Untersuchungen, die mir bekannt wären.
          Übrigens „dürfen“ Frauen auch nicht einfach früher von der Arbeit gehen oder bei krankem Kind zuhause bleiben. Sie tun es, weil es von ihnen erwartet wird (gesellschaftlich). Der Vater hat genauso das Recht dazu (gesetzlich verankert übrigens), will aber möglicherweise nicht blöd vor Kollegen und Chefs dastehen, oder was meinst du? Der Vater, der gerne früher heimgehen möchte und sich um die Kinderbetreuung kümmern, der soll das ruhig dem Chef gegenüber durchboxen, auch das ist Teil der Gleichberechtigung für die wir alle kämpfen sollten.

          1. Gebe dir recht, aber ich habe auch schon öfter von Männern in pädagogischen Berufen gehört, dass sie oft von Müttern oder Kolleginnen pauschalverdächtigt werden, dass sie sich an den Kindern vergreifen wollten, einfach nur weil sie Männer sind (denn warum sollte ein Mann sonst diesen Beruf ergreifen wollen…). Das ist auf jeden Fall ein Problem, wobei das fehlende gesellschaftliche Prestige des Berufs ihn natürlich auch unattraktiv für viele Männer macht.

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