Feminismus und Klimagerechtigkeit

Feminismus und Klimagerechtigkeit

Was Feminismus mit Klimawandel zu tun hat

 

Öko war nie mein Thema. Zu schnell denkt man an Kohlebagger besetzende Hippies und obwohl diese Menschen natürlich großartig sind, war ich nie einer von ihnen. Öko ist ja auch irgendwie ganz schön 80er. Doch meine Zeit in der Grünen Jugend hat mich gelehrt, dass zur Klima- und Ökobewegung viel mehr gehört als „Atomkraft? Nein Danke!“-Sticker. Klimawandel geht uns alle an, vor allem, wenn es um Klimagerechtigkeit geht. Wir als Menschen im globalen Norden führen einen Lebensstil, der auf Kosten der Menschen im globalen Süden geht. Unser Konsumverhalten, das immer wieder nach mehr schreit und befriedigt werden will, schadet unserem Planeten und den Menschen, die auf ihm leben, massiv. Deshalb müssen wir mehr darüber nachdenken, wie unser Konsum der Erde und den Menschen schadet, denn unser Konsum billiger Wegwerfprodukte, wasserintensiver Lebensmittel und Mobilität durch Autos und Flugzeuge trägt zum Klimawandel bei, egal ob wir es wahrhaben wollen oder nicht. Die Folgen spüren jedoch nicht wir, sondern die Menschen im globalen Süden. Unser Lebensstil schadet ihnen. Besonders als Feminist*innen sollten wir mehr über Klimawandel und seine Folgen nachdenken und unser politisches sowie privates Handeln danach ausrichten.

 

Denn Fakt ist: Frauen bekommen die Folgen des Klimawandels stärker zu spüren als Männer.

 

In Ländern des globalen Südens machen Frauen bis zu 80% der Arbeiter*innen der Agrarindustrie aus. Ernteverluste durch Dürren, Tsunamis und andere vom Klimawandel verursachte Naturkatastrophen betreffen also zu einem großen Teil Frauen. Weiterhin haben Studien gezeigt, dass Frauen in Hungersnöten zuerst verzichten, um andere ernähren zu können. Darüber hinaus sind Frauen in Regionen ohne ausreichende Wasserversorgung meist für die Wasserbeschaffung zuständig. Trockenheit, wie der Klimawandel sie nun mal in vielen Teilen der Welt verursacht, hat zur Folge, dass diese Frauen mehr Zeit und Energie in die Wasserbeschaffung stecken müssen. Zeit, die sonst für andere Arbeit, Bildung oder Erholung genutzt werden würde. Und nicht zuletzt sterben Frauen mehr an Klimakatastrophen als Männer. Oft haben sie nicht die sozio-ökonomischen Mittel, zu fliehen, oder sie sind an Menschen, die sie versorgen oder pflegen, gebunden, was sie daran hindert, Schutz suchen zu können.

 

All das sollte für Feminist*innen Grund genug sein, sich mit dem Klimawandel auf globaler Ebene zu beschäftigen und sich für eine internationale Klimagerechtigkeit einzusetzen, die auch marginalisierte Frauen aus Ländern des globalen Südens mit einbezieht. Trotzdem ist in feministischen Kreisen oft immer noch die Tendenz des sogenannten „weißen Mittelstandsfeminismus“ zu sehen. So wird die Art Feminismus bezeichnet, der weiße Frauen des Mittelstands im globalen Norden als Maßstab nimmt und als Status Quo für alle Frauen einsetzt. Deshalb hier mein Plädoyer, über den Tellerrand zu schauen und sich als Feminist*innen auch mal mit Ökologie und Klimagerechtigkeit zu beschäftigen, obwohl es vielleicht eigentlich kein Herzensthema ist.

Das bedeutet auch, sich kritisch mit unserem Konsum zu beschäftigen. Ist es wirklich feministisch, das T-Shirt mit dem feministischen Spruch zu kaufen, obwohl es von Näherinnen in Bangladesch hergestellt wurde und obwohl in die Herstellung Unmengen Wasser und Giftstoffe geflossen sind, bevor es dann nach Deutschland geflogen wurde und große Einflüsse auf unseren ökologischen Fußabdruck hat? Ist es wirklich feministisch, die Gefahr des Klimawandels aus dem Kopf zu verbannen, weil wir selbst bisher nicht wirklich betroffen sind?

 

Wir können keine Geschlechtergerechtigkeit ohne Klimagerechtigkeit erreichen und umgekehrt. Wir müssen dafür sorgen, dass die Frauen des globalen Südens bei Belangen der Klimagerechtigkeit gehört werden, dass ihre Stimmen publik gemacht werden, denn sie sind diejenigen, die am stärksten unter mangelnder Klimagerechtigkeit leiden.

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