Was ist das für 1 Präsident?

Was ist das für 1 Präsident?

Anmerkung1: Dass ich mich hier kritisch zu Donald Trump äußere, bedeutet nicht, dass ich Hilary Clinton unproblematisch fand. Da es Trump ist, der die Wahl gewonnen hat, fokussiert sich dieser Artikel jedoch auf ihn.

Anmerkung2: Dieser Artikel erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Es fehlen beispielsweise jegliche Betrachtung davon, wie Trump mit Menschen mit Behinderung oder Menschen mit psychischen Erkrankungen umgeht. Dass es hier nicht thematisiert wird, bedeutet nicht, dass Trump in dieser Hinsicht irgendetwas richtig macht.

 

In den letzten Tagen habe ich häufig den Satz gehört: „Ach, reg dich nicht so auf. Trump ist nur ein Blödmann, der den Mund zu weit aufmacht“, oder in Abwandlung: „Jetzt warte erstmal ab, bisher hat er nur gelabert, seine Politik wird ganz anders aussehen“. Mein Problem daran ist: Es geht hier nicht um Politik. Es geht hier nicht um das, was er ab Januar als Präsident alles tun wird. Es geht um das, was er bereits getan hat. Und um alles, was er damit ausgelöst hat und haben wird.

In den letzten Tagen habe ich auch andere Sätze gehört und gelesen. Auf youtube, tumblr, facebook und anderen sozialen Netzwerken teilen Menschen aus den USA ihre Erfahrungen seit der Wahl. Dort lese ich von einer jungen Frau, der im Supermarkt ihr Hijab von einem fremden, weißen Mann vom Kopf gerissen wird mit den Worten: „Er hat gewonnen, verpiss dich!“. Ich lese von Jugendlichen, deren Eltern aus Mexiko kommen, die in der Schule damit konfrontiert werden, dass ihre Mitschüler*innen sich auf die Mauer freuen. Ich lese von einer schwarzen Frau, die ihrer kleinen Tochter die Angst auf dem Schulweg einfach so von einem Rassisten überfahren zu werden, nicht mehr zu nehmen weiß. Ich lese von Panik- und Angstattacken von Trans-Menschen. Ich lese und bin schockiert und hilflos und frage mich, warum so viele Menschen das nicht verstehen können. Dass es hier um Angst geht. Und um den Hass, der diese Angst auslöst.

Ich habe mir angeschaut, was Trump während seines Wahlkampfes über verschiedene marginalisierte Gruppen so von sich gegeben hat. An der Stelle möchte ich wiederholen – es ist völlig egal, was davon er als Präsident wie umsetzen wird. Diese Aussagen und die Werte die darin vermittelt werden, wurden mit ihm gewählt. Und das ist das Problem.

 

Trump und der Islam

Gegenüber CNN hat Trump geäußert: „I think Islam hates us“1. (Übersetzt: Ich denke der Islam hasst uns.) Er ist der Meinung, dass enormer Hass die Religion definiert und Krieg gegen radikalen Islamismus geführt werden müsse. Dabei sagte er auch, dass radikaler Islamismus sehr schwer zu definieren sei, weil er kaum von der Religion Islam zu unterscheiden wäre. Als CNN nachfragte, wie weit Trump im Krieg gegen den radikalen Islamismus gehen würde, schloss Trump nicht aus die Familie von Terrorist*innen zur Zielscheibe zu machen. Außerdem möchte er waterboarding2 wieder einführen, und sagte die USA sollte noch viel weiter als waterboarding gehen.

Trump hat mit seiner Forderung, nach einem Einwanderungsverbot für Muslime für Aufsehen gesorgt. Zu Beginn seines Wahlkampfs war er noch dafür, alle Menschen muslimischen Glaubens des Landes zu verweisen.3 Er musste etwas zurückrudern und sagte einige Monate später, das Verbot würde natürlich nicht für Menschen muslimischen Glaubens gelten, die schon in den USA leben oder dem Militär zugehören. Dennoch sollten Trumps Meinung nach Moscheen zukünftig überwacht, Geflüchtete aus Syrien wieder abgeschoben und eine Datenbank für Menschen muslimischen Glaubens angelegt werden.4 Seine Forderungen nach einer Datenbank hatten die Umfragen sehr zu seinen Gunsten verändert – Trumps Islamfeindlichkeit kam in seinem Wahlkampf gut an.5 Zugleich wurde er von anderen Politiker*innen und in den Medien heftig für diese Aussagen kritisiert. Seine Schlussfolgerung daraus war nun nicht mehr von Menschen muslimischen Glaubens zu sprechen, sondern von Territorien: Es solle Migration aus jeglichem Land, das in Verbindung mit Terrorismus stünde, sofort beendet werden. Würde beispielsweise ein Mensch muslimischen Glaubens aus Schottland in die USA kommen hätte Trump damit kein Problem. Er sagte jedoch ebenfalls wiederholt, dass ein Land in dem terroristische Anschläge verübt werden, selbst schuld sei – mit einem Einwanderungsverbot könne das verhindert werden.6 Die Unterstützung der Bevölkerung scheint Trump zu haben – in einer Umfrage im Sommer 2016 gaben 51% an mit diesem Einwanderungsverbot für Menschen muslimischen Glaubens einverstanden zu sein. Auch Trumps Forderung nach einer Datenbank und einer Kennzeichnung im Ausweis als Muslim*in findet Zustimmung.7

Viele Menschen muslimischen Glaubens haben nach diesem Wahlergebnis Angst. Denn Islamfeindlichkeit ist dank Trump wieder im Trend. Muslima warnen sich gegenseitig davor, weiterhin mit Hijab in die Öffentlichkeit zu gehen. Imame bitten Frauen den Hijab abzulegen, wenn ihre Sicherheit gefährdet ist – Allah würde ihnen verzeihen. Menschen aller Altersgruppen und Geschlechtsidentität drücken in sozialen Medien ihre Angst aus. Die neue Grundstimmung: Mit Trump als Präsident habe ich Angst um meine Sicherheit als Muslim*in.8

 

Trump und LSBTTIQ+ Menschen

Trump hat während seines Wahlkampfes gefühlt zwanzig verschiedene Standpunkte eingenommen, wenn es um die Rechte von LSBTTIQ+ Menschen ging. Es taucht jedoch immer wieder die Aussage auf, dass er ernsthaft in Betracht ziehen würde, Richter*innen zu ernennen, welche die Gleichstellung der Ehe rückgängig machen würden.9 Trump hat außerdem versprochen den „First Amendment Defense Act“ zu unterschreiben – in diesem wird der Regierung verboten einzugreifen, wenn jemand aus der religiösen Überzeugung, dass Ehe die Einheit von Mann und Frau sei, heraus handelt. Obamas Gesetzeszusatz von 2014, der Diskriminierung auf Basis von sexueller Orientierung oder Geschlechtsidentität illegal machte, wäre damit wieder verloren.10

Positiv ist Trump aufgefallen, als er äußerte alle Menschen könnten auf die Toilette gehen, die ihrer Identität entspreche, ihm sei das egal. Einige Monate später hat er sich auch hier jedoch wieder der Meinung von vielen Republikaner*innen angepasst: Trump wird keine Gesetze unterstützen, die transgeschlechtlichen Menschen Gleichberechtigung sichern.11 Viel heftiger treffen wird die LSBTTIQ+ Gemeinschaft jedoch, dass Trump viele sogenannte „cultural and social issues“ (kulturelle und soziale Themen) an seinen Vize-Präsidenten Mike Pence abgeben möchte. Mike Pence möchte zurück zu, seiner Meinung nach, traditionellen Werten – in Schulen soll wieder gelehrt werden, dass die einzige Option Abstinenz sei, Fördergelder in der HIV-Forschung sollen gestoppt werden, Adoption solle nur heterosexuellen Paaren erlaubt sein, Transgeschlechtlichkeit existiere nicht. Caitlyn Jenner ist, glaubt man Pence, auch nur ein verwirrter, psychisch erkrankter Mann.12

Trump und Pence stehen auch für die „conversion therapy“, auf deutsch Reparativtherapie, durch welche sexuelles Verhalten verändert werden soll. Staatliche Mittel sollen Institutionen fördern, die Reparativtherapie anbieten.13 Pence ist schon seit Jahren ein starker Befürworter dieser „Therapie“. Inhalte der „Behandlung“ sind Erbrechen, Elektroschocks, Verhaltenstherapie um geschlechtstypisches Verhalten zu fördern und Hypnose. Beinahe alle wichtigen und großen medizinischen Organisationen in den USA haben sich inzwischen gegen Reparativtherapie ausgesprochen. Pence hält es dennoch für eine super Idee, die Gelder die bisher in die AIDS-Forschung gingen in Reparativtherapie zu investieren.14

 

Trump und Frauen

Über Donald Trump und seine Frauenfeindlichkeit könnte ich mehrere Seiten füllen. Freundlicherweise haben das bereits andere für mich getan. Hier und hier könnt ihr (englischsprachige) Listen finden, die den Sexismus von Trump gesammelt haben. Einige „Höhepunkte“ von Trump habe ich für euch nochmal zusammengefasst:

  • 1990 sagte er in einem Interview mit Vanity Fair, dass er seiner damaligen Frau Ivana niemals wertvolle Dinge kaufen würde – sie solle keine Vermögenswerte haben.
  • In einem Interview mit der New York Times hat er über Frauen gesagt, man müsse sie wie Scheiße behandeln.
  • Zwei Jahre später, inzwischen mit Marla Maples verheiratet, äußerte er seine Wut darüber, wenn kein Essen auf dem Tisch stünde, wenn er nach Hause kommt. Außerdem hielt er es für sehr gefährlich Frauen arbeiten zu lassen.
  • Seine Tochter Ivanka hat Trump mit 17 das Versprechen abgenommen, dass er nie mit einer Frau ausgehen würde, die jünger wäre als sie.
  • 2011 hat er eine Anwältin als widerwärtig und ekelhaft beschimpft, weil sie um eine Pause im Prozess gebeten hatte, um ihr Kind zu stillen.
  • 2013 war er der Meinung, dass niemand etwas anderes als sexualisierte Gewalt im Militär erwarten könne, wenn man dort Frauen und Männer zusammen wohnen ließe.
  • 2015 fragte er, wie Hilary Clinton eine gute Präsidentin werden solle, wenn sie nicht mal ihren Mann befriedigen könne.
  • Nachdem er lange pro-choice war hat Trump Anfang 2016 seine Meinung geändert: Abtreibung gehöre verboten, Ärzte die Abtreibungen durchführen bestraft.
  • Trump tätigt immer wieder Äußerungen über die Attraktivität von jungen Mädchen und welche der heute 10- bis 12-Jährigen er in 10 Jahren daten wolle.
  • Seine Exfrau Ivana hat Trump der Vergewaltigung beschuldigt.
  • Eine Frau hat Trump dieses Jahr beschuldigt, sie als 13-jähriges Mädchen vergewaltigt zu haben.
  • Mehrere Frauen sagen, sie wurden gegen ihren Willen von Trump angefasst oder geküsst. Anschuldigungen wegen sexualisierter Gewalt treten schon seit 1997 regelmäßig auf.

Diese Liste könnte noch ewig weiter gehen. Der Punkt ist der: Dass frauenfeindliche Aussagen und daraus folgendes Verhalten so akzeptiert ist, dass es nicht verhindert hat, dass Trump Präsident wurde, ist extrem problematisch. Trumps Rhetorik hat Auswirkungen, sexistische Reden haben Einfluss auf das Selbstbewusstsein von Frauen*, es wird davon ausgegangen, dass Trumps Präsidentschaft negative Folgen für die psychische Gesundheit von Frauen* haben wird.15 Sicher ist schon jetzt, dass seine Wahl rape culture legitimiert, Sexismus bestärkt und Männer in der Überzeugung festigt, sie können mit Frauen umgehen, wie sie wollen.

Was ebenfalls schon relativ sicher ist: Frauen*rechte werden leiden. Trump und Pence wollen gemeinsam daran arbeiten, dass der Affordable Care Act wieder abgeschafft wird, was beispielsweise bedeutet, dass Versicherungen nicht mehr verpflichtet sein werden, die Pille zu finanzieren. Beide Männer wollen Ärzt*innen bestrafen, die Abtreibungen durchführen.16 Noch am Tag der Wahl versicherte Pence, dass die Veränderungen nicht sofort eintreten würden, aber schon jetzt sicher sei, dass die staatlichen Gelder für Frauen*gesundheit und Abtreibungen neu eingesetzt würden. Steuerzahler*innen könnten sich von nun an sicher sein, dass ihr Geld nur für moralisch nicht verwerfliche Dinge verwendet würde.17 Das Resultat? Die Zahlen von Menschen mit Vagina, die sich eine Spirale legen lassen, schießen in die Höhe. Frauen* ermutigen sich auf sozialen Netzwerken gegenseitig, sich um Verhütungsformen zu kümmern, die Trumps gesamte Präsidentschaft über halten werden. Diverse Frauen*magazine veröffentlichen online Leitfäden zu verschiedenen Verhütungsmethoden und wie mensch vor Trumps Amtsantritt sich darum kümmern kann.18

 

Trump und Mexiko

Trump möchte nicht registrierte und illegale Einwanderer*innen abschieben. Trump möchte eine Mauer zwischen den USA und Mexiko bauen. Trump möchte, dass diese Mauer von Mexiko bezahlt wird.19 Trump möchte NAFTA (North American Free Trade Agreement, das nordamerikanische Freihandelsabkommen) ungültig machen.20 Trump sagt, Mexikaner*innen sind alle kriminell und/oder Vergewaltiger*innen.21

Nun ist Trump gewählt und Mexikaner*innen, egal ob sie in den USA oder in Mexiko leben, können sich nicht sicher sein, wie ihr Leben in den nächsten Jahren aussehen wird. Eine von Mexikos wichtigsten Zeitungen kam nach der Wahl mit der Titelschlagzeile „Eine dunkle Zukunft“ heraus – der Artikel begann mit: „Die Amerikaner haben gestern den Weg von Rassismus, Hass und Intoleranz gewählt“.22 Mexikaner*innen machen sich nicht nur Sorgen wegen Trump und dem, was er tun wird, sondern auch wegen der Leute, die ihn gewählt haben. Trumps Wahlsieg verdeutlicht eine nicht greifbare Menge an Fremdenhass. Mexikaner*innen haben Angst um die Zukunft, haben Angst so etwas wie Normalität verloren zu haben.23

Die Politiker*innen von Mexiko versuchen ruhig zu bleiben. Es werden Gespräche angeboten. Es heißt, man müsse abwarten, was passieren würde. Aber es lässt sich nunmal schwer ignorieren, dass die mexikanische Währung nach der Wahl an Wert verlor. Oder dass es den wirtschaftlichen Zusammenbruch beider Nationen bedeuten könnte, sollte Trump NAFTA tatsächlich auflösen. Oder dass Mexikaner*innen sich mit der Möglichkeit einer Mauer auseinander setzen müssen.24

 

Trump und People of Color

In einem Interview mit der Washington Post hat Trump von sich selbst behauptet, nicht rassistisch zu sein. Schade nur, dass er dabei so unfassbar unglaubwürdig ist.

Ein Beispiel, warum ich es lachhaft finde, wenn Trump sich selbst als nicht-rassistisch bezeichnet? Bittesehr: „Ich denke, der Typ ist faul. Und es ist vermutlich nicht sein Fehler, denn Faulheit ist ein Charakterzug in Schwarzen. Ist es wirklich, ich glaube das. Das ist nichts, was die kontrollieren können.“ Das hat Trump gesagt, kurz nachdem er einige finanzielle Schwierigkeiten hatte. Diese finanziellen Probleme hat Trump auf die Hautfarbe seiner Buchhalter*innen zurück geführt. Anderes Zitat aus dieser Zeit: „Ich habe schwarze Buchhalter in Trump Castle und Trump Plaza – schwarze Typen, die mein Geld zählen! Ich hasse es. Die einzigen Menschen, von denen ich will, dass sie mein Geld zählen, sind kleine Menschen, die jeden Tag die Kippa tragen“.25 Rassismus und Antisemitismus in einem Satz – Glückwunsch Mr. Trump, was für eine Leistung.

1973 stand Trump wegen rassistischer Diskriminierung vor Gericht. People of Color haben damals wohl keine Wohnungen in seinen Gebäuden bekommen und wenn doch zu schlechteren Vertragsbedingungen. Es gab eine Einigung in dem Fall. Doch Trump wurde 1978 erneut verklagt – diesmal dafür, die Bedingung dieser Einigung (schwarze Menschen nicht weiter zu diskriminieren) nicht eingehalten zu haben.26

Als Trump während des Wahlkampfes zu Rassismus und der Black-Lives-Matters-Bewegung befragt wurde, hatte er dazu nur zu sagen: „So etwas wie Rassismus gibt es nicht mehr. Wir hatten einen schwarzen Präsidenten, also ist Rassismus keine Frage mehr. Sagen sie, schwarze Leben sollten mehr zählen als weiße oder asiatische Leben? Wenn schwarzes Leben zählt, dann geh zurück nach Afrika? Wir werden sehen wie viel schwarzes Leben dort zählt.“27 Trump zeigt wiedereinmal, dass er nicht im Stande ist, die alltägliche Diskriminierung, mit der People of Color leben müssen, anzuerkennen.

Sein Rassismus findet sich auch unter Trump-Wähler*innen wieder. Mehr als ein Drittel seiner Anhänger*innen geben in Umfragen an, dass schwarze weniger menschlich, weniger entwickelt seien als weiße. Fast genauso viele stimmen der Beschreibung „fehlende Selbstkontrolle, eher animalisches Verhalten“ für People of Color zu.28

Trump wäre in der Verantwortung seinen Anhänger*innen klar zu machen, dass Rassismus nicht okay ist. Doch Trump widerspricht nicht, wenn People of Color gewaltsam von seinen Wahlkampfveranstaltungen vertrieben werden.29 Trump tweetet lieber Dinge wie: „Traurigerweise, weil Obama so einen schlechten Job als Präsident gemacht hat, werden wir keinen anderen schwarzen Präsidenten für Generationen sehen!“30 Trump lobpreist lieber den wirtschaftlichen Aufschwung der USA während der industriellen Revolution – ohne dabei auch nur ein Wort über industrialisierte Sklaverei zu verlieren.31 Trump kann, so oft er möchte, sagen, er sei nicht rassistisch. Das macht ihn leider nicht weniger rassistisch und fremdenfeindlich.

 

Trump und der IS

Trump hat versprochen „die Scheiße aus dem IS heraus zu bomben“. Und dennoch feiern terroristische Gruppierungen Trumps Wahlsieg.

Zum einen, weil es den Hass auf westliche Werte legitimiere. Trump sei offen islamfeindlich, er wurde gewählt, also müsse die USA islamfeindlich sein. Es sei nun also an der Zeit für alle Menschen muslimischen Glaubens sich gegen die USA zu stellen.32

Zum anderen sieht der IS in Trumps Wahl den Anfang vom Ende. IS-Anhänger*innen sind davon überzeugt, dass Trumps Politik die Machtposition der USA schwächen und das Land für einen Angriff öffnen wird.33 Der vom IS gerne als Esel bezeichnete Trump würde einen globalen Wandel verursachen, an dessen Ende der Islam eine führende Rolle einnehmen würde. Aber nicht nur der IS, auch Al-Qaida feiert. Die Wahl von Trump würde allen radikalen und extremen Gruppierungen einen gemeinsamen Feind geben. Der Zusammenschluss mit dem Ergebnis eines gemeinsamen Angriffs auf die USA sei nun realistisch.34

Eine Person aus dem IS hat zum Wahlergebnis gesagt: „Trump wird mit unangefochtener Kontrolle regieren und das wird zu offenen Konflikten mit vielen führen. […] Die Welt ist kurz davor zu explodieren.“35 Was mensch davon hält, dass terroristische Gruppierungen begeistert von diesem Wahlausgang sind, muss dann jede*r für sich selbst entscheiden.

 

Trump und der KKK

Dass Trump unter Neo-Nazis, weißen Nationalist*innen und anderen Rechten große Zustimmung findet36, ist bei seinen Aussagen vermutlich keine große Überraschung. Zu seinen Unterstützer*innen gehört auch der KKK.

KKK steht für Klu Klux Klan. Um Wikipedia zu zitieren: „Ein rassistischer und gewalttätiger, vor allem in den Südstaaten der USA aktiver Geheimbund“.

Der KKK hat eine eigene Zeitung, den Crusader. Im Crusader sind im Laufe des Wahlkampfes mehrere Artikel erschienen, die Werbung für Trump gemacht haben. Darin wurde auch Trumps Wahlspruch „Make America great again“ (Macht Amerika wieder großartig) aufgegriffen – Amerika sei als Nation von weißen, christlichen Männern gegründet worden und mit Trump käme die Hoffnung wieder, zu diesem großartigen Zustand zurück zu kehren. Auch ein bekennender Neo-Nazi bestätigte Trump als reale Chance, eine weiße, nationalistische Bewegung zu starten. Trumps Wahlkampfteam hat sich von diesem Artikel distanziert37. Es bleibt dennoch die Frage, was es über einen Präsidenten aussagt, wenn dieser offen und begeistert vom KKK unterstützt wird.

Als die Wahlergebnisse veröffentlicht wurden, gehörte David Duke, einer der Anführer des KKK, zu den ersten die Trump gratulierten. Er stellte außerdem fest, dass der KKK eine große Rolle im Wahlsieg gespielt hätte.38 In North Carolina kam es zu einer offenen Demonstration, auf der Anhänger*innen des KKK ihre Rückkehr in den Mainstream gefeiert haben.39 Trump selbst behauptet immer wieder gerne, dass er nichts mit dem KKK zu tun hat und deren Anhänger*innen nicht kenne. Das hält den KKK jedoch nicht davon ab, Trump weiter zu feiern und zu unterstützen.40

 

Fazit?

Ursprünglich wollte ich einen kurzen Kommentar darüber schreiben, warum mir Trump Angst macht. Ich habe in meiner Recherche nur an der Oberfläche gekratzt. Und trotzdem hat sich für mich so klar abgezeichnet, dass die Präsidentschaft von Trump so viele negative Auswirkungen für so viele Menschen haben wird. Und dabei geht es nicht um die Politik, die er verfolgen wird. Dabei geht es um den Hass und die Wut und die Feindlichkeit. Vorurteile, Gewalt und Ausgrenzung sind natürlich keine Erfindungen von Trump. Und wenn mensch positiv sein möchte, könnten wir als Fazit ziehen: „Immerhin kann jetzt niemand mehr wegschauen. Immerhin müssen wir jetzt nach Lösungen suchen, denn jetzt ist das Ausmaß des Problems glasklar“. Aber mir fällt es schwer positiv zu sein. Mir fällt das schwer, weil ich jeden Tag von Menschen lese und höre, die schon jetzt unter diesem Wahlergebnis leiden. Deren Leben sich schon jetzt verändert hat, da psychische und physische Angriffe auf marginalisierte Gruppen überall in den USA angestiegen sind. Es ist mir egal, welche politischen Entscheidungen Trump nach Amtsantritt treffen wird. Den Hass hat er bereits legitimiert. Und die Angst ist seine Schuld.

 

1: http://edition.cnn.com/2016/03/09/politics/donald-trump-islam-hates-us/

2: Foltermethode, das Gefühl von Ertrinken wird hervorgerufen; Obama hat 2009 ein Verbot angeordnet

3: http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/republicans/12052760/republican-debate-donald-trump-las-vegas.html

4: https://www.washingtonpost.com/politics/2015/12/07/e56266f6-9d2b-11e5-8728-1af6af208198_story.html

5: http://www.nytimes.com/politics/first-draft/2015/12/07/donald-trump-calls-for-banning-muslims-from-entering-u-s/?_r=0

6: https://www.washingtonpost.com/news/post-politics/wp/2016/07/24/donald-trump-is-expanding-his-muslim-ban-not-rolling-it-back/

7: https://www.washingtonpost.com/news/wonk/wp/2016/08/01/donald-trump-is-bringing-anti-muslim-prejudice-into-the-mainstream/

8: http://www.independent.co.uk/news/world/americas/us-elections/us-election-muslims-react-donald-trump-islam-islamophobia-a7408401.html

9: http://www.out.com/news-opinion/2016/11/09/5-ways-trump-presidency-could-affect-lgbt-rights

10: http://www.newnownext.com/what-a-trump-presidency-means-for-the-lgbt-community/11/2016/

11: http://www.hrc.org/2016RepublicanFacts/donald-trump-opposes-nationwide-marriage-equality

12: http://www.thedailybeast.com/articles/2016/10/19/a-trump-pence-presidency-would-be-a-disaster-for-lgbt-people.html

13: http://www.newnownext.com/what-a-trump-presidency-means-for-the-lgbt-community/11/2016/

14: http://www.thedailybeast.com/articles/2016/07/20/mike-pence-conversion-therapy-true-believes-up-the-hate-for-donald-trump-s-gop.html

15: http://www.theatlantic.com/science/archive/2016/11/how-trump-style-words-hurt/506456/

16: http://www.businessinsider.de/trump-could-be-a-threat-to-the-iud-2016-11?r=US&IR=T

17: http://www.businessinsider.de/trump-could-be-a-threat-to-the-iud-2016-11?r=US&IR=T

18: http://nymag.com/thecut/2016/11/why-you-should-get-an-iud-before-trump-becomes-president.html

19: http://www.ibtimes.com/donald-trump-border-wall-who-will-pay-it-what-will-it-look-how-much-will-it-cost-2443883

20: http://www.usatoday.com/story/news/world/2016/11/08/mexico-united-states-presidential-election/93520600/?siteID=je6NUbpObpQ-uM5XsB3mB2wTaTSOs9Krlw

21: https://www.washingtonpost.com/world/the_americas/with-trump-victory-mexicos-worst-fears-are-realized/2016/11/09/f36a9ac0-a680-11e6-ba46-53db57f0e351_story.html

22: https://www.washingtonpost.com/world/the_americas/with-trump-victory-mexicos-worst-fears-are-realized/2016/11/09/f36a9ac0-a680-11e6-ba46-53db57f0e351_story.html

23: http://www.reuters.com/article/us-usa-election-mexico-idUSKBN1341E3

24: http://www.businessinsider.de/mexico-reaction-to-donald-trump-win-2016-11?r=US&IR=T

25: http://www.dailykos.com/stories/2016/7/20/1550251/-Trump-laziness-is-a-trait-in-blacks-I-believe-that

26: http://www.huffingtonpost.com/entry/8-reasons-donald-trump-would-not-be-great-for-the-blacks_us_56e0729fe4b065e2e3d47e82

27: http://www.celebtricity.com/donald-trump-if-black-lives-dont-matter-then-go-back-to-africa/

28: http://www.slate.com/articles/news_and_politics/politics/2016/11/the_majority_of_trump_supporters_surveyed_described_black_people_as_less.html

29: http://www.huffingtonpost.com/entry/black-students-trump-rally-georgia_us_56d501c2e4b0871f60ec98ba

30: https://twitter.com/realDonaldTrump

31: http://www.huffingtonpost.com/entry/donald-trump-black-voters-slavery_us_57b4bd84e4b0fd5a2f40ee2d

32: http://www.esquire.com/news-politics/news/a50528/isis-happy-trump-won/

33: http://www.ibtimes.com/isis-reacts-trump-election-islamic-state-group-followers-predict-end-united-states-2444320

34: http://www.mirror.co.uk/news/world-news/isis-hails-donald-trump-victory-9229674

35: http://www.vocativ.com/374892/isis-is-happy-trump-won-the-world-is-on-the-verge-of-exploding/

36: http://www.newyorker.com/news/news-desk/donald-trump-and-the-ku-klux-klan-a-history

37: https://www.washingtonpost.com/news/post-politics/wp/2016/11/01/the-kkks-official-newspaper-has-endorsed-donald-trump-for-president/

38: http://theslot.jezebel.com/david-duke-and-the-kkk-are-thrilled-about-donald-trumps-1788757567

39: http://www.inquisitr.com/3698166/islamist-extremists-celebrate-the-win-of-trump-along-with-former-kkk-leader/

40: http://www.businessinsider.de/david-duke-kkk-trump-election-2016-11?r=US&IR=T

Alica ist das verkörperte Klischee einer Künstlerin, studiert dazu irgendwas mit Medien und hat eine Leidenschaft für Harry Potter. Wenn sie groß ist, will sie Superheldin werden.

2 thoughts on “Was ist das für 1 Präsident?

  1. Vielen Dank für den Artikel! Mich frustriert es sehr, dass es Menschen gibt die die optimistisch reagieren und meinen, dass uns vier Jahre Trump aufrütteln würden und dass wir die Meinung und sie Wahl der US Bürger*innen akzeptieren müssen. Die Menschen müssen endlich aufhören Rassismus als Meinung zu akzeptieren und dem wütender entgegentreten! Denn die Wahl bedeutet nicht nur einen Sieg für Trump sondern auch das Verlieren der Demokraten und da müssen wir uns fragen was das für unsere Gesellschaft bedeutet. Es bringt uns nichts, die Wähler*innen als dumm abzustempeln und uns in unserem Kreis der Gleichgesinnten darüber aufzuregen, sondern wir müssen handeln und es irgendiwe schaffen den wachsenden Alltagsrassismus zu stoppen.

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